von Martin und Danny

Tag 1

Dieser deutsche Dezembertag hat schon am frühen Morgen gezeigt, warum wir uns für ein Urlaubsziel deutlich südlicher entschieden haben. Der Flug startet in Düsseldorf bei leichtem Regen und ungemütlichen 4°C. Allerdings müssen wir schon während dem Flug feststellen, dass auch Marokko großteils unter Wolken liegt. Und so bleibt uns beim Anflug auf Marrakesch leider der schöne Blick auf den schneebedeckten Atlas verwehrt. Um die Mittagszeit erreichen wir planmäßig Marrakesch. Es ist stark bewölkt und es kommt immer wieder zu kurzen Regenschauern. Allerdings ist es 10°C wärmer als in Deutschland und das ist ja nach all den trüben, grauen und kühlen Wochen zuvor auch schon positiv.

Auf dem Flughafen in Marrakesch scheint an diesem Montag nicht sehr viel Betrieb zu sein und da auch unser Flieger nur knapp zur Hälfte besetzt war, kommen wir schnell und unkompliziert durch die Passkontrolle. Nach dem Erhalt unseres Gepäcks wird am Ausgang aus dem Sicherheitsbereich noch mal alles Gepäck (auch Handgepäck) gescannt. Und dann ist es endlich soweit: wir lernen Tarik kennen, der uns in den nächsten 10 Tagen führen wird. Da wir im Vorfeld mit Conny bereits Bilder ausgetauscht haben, erkennen wir uns alle sofort und nach der Begrüßung geht es direkt auf den Parkplatz zum Mietwagen. Diesen hat Tarik, der schon zwei Tage zuvor angereist war, bereits organisiert. Außerdem finden wir im Auto noch leckeren Proviant und Wasser für die erste Etappe, die uns über Agadir nach Oumesnate (nahe Tafraoute im Vallée d’Ammelne) führt.

Das erste Teilstück bis Agadir legen wir schnell auf der mautpflichtigen Autobahn zurück. Nach kurzer Pause am Rand von Agadir geht es weiter über kleine Landstraßen durch den landschaftlich aufregenden Antiatlas. Dabei zeigt sich auch endlich zunehmend die Sonne, und es gibt keine Regenschauer mehr. Es geht vorbei an kleinen Schaf- und Ziegenherden, durch kleine Bergdörfer und immer wieder verändert sich die Landschaft. Hügelketten, die einer Mondlandschaft gleichen, wechseln sich mit grünen Oasen und den berühmten Arganbäumen ab. Und wir haben sogar das Glück nahe eines abgelegenen Bergdorfs die berühmten Ziegen im Baum zu beobachten, die hier bestimmt nicht nur für Touristen platziert wurden.

Immer wieder sehen wir auch Dorfbewohner mit Eseln aber andere Autos oder Lastwagen kommen uns nur sehr selten entgegen. Leider bricht noch vor der Ankunft am ersten Etappenziel die Dunkelheit über uns herein, und wir sehen daher in den letzten beiden Fahrstunden nichts mehr von der herrlichen Landschaft. Gegen 19 Uhr erreichen wir Oumnesnate und unsere erste Unterkunft (Maison Traditionelle). Dieses liegt nicht direkt an der „Hauptstrasse“ sondern kann nur über einen unbefestigten Weg erreicht werden. Aber auch dieser führt nicht direkt zum Haus und so laufen wir im Dunkeln, begleitet von unseren Gastgebern die letzten Meter zur Unterkunft. Außer einem grandiosen Sternenhimmel können wir allerdings in der Dunkelheit sehr wenig erkennen und müssen uns daher bis zum nächsten Morgen gedulden.

Die Zimmer sind einfach und sauber mit einem kleinen Bad (mit europäischer Toilette) und vor allem beheizt, was bei den nächtlichen Außentemperaturen nicht schaden kann. Kurz nach der Ankunft treffen wir uns auf der Dachterrasse zum Abendessen. Dieses ist (wie erhofft) traditionell marokkanisch und wir werden es in den folgenden Tagen in unterschiedlichen Variationen weiter kennenlernen. Nachdem die Gemüsesuppe uns ob der kühlen Temperaturen etwas aufgewärmt hat, kommt als Hauptspeise der traditionelle Tajin auf den Tisch. Hähnchen geschmort mit verschiedenen Gemüsesorten und Kartoffeln. Sehr lecker! Zum Abschluss gibt es Mandarinen und Äpfel und natürlich den obligatorischen Tee (grüner Tee mit Minze und viel Zucker). Danach sind wir tot müde und legen uns alle ziemlich schnell schlafen.

 

Tag 2

Ausgeschlafen geht es an diesem Morgen zum Frühstück auf die Dachterrasse. Und wir werden nicht enttäuscht. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein und ein wunderbarer Ausblick über das grüne Tal. Auch das Frühstück ist traditionell marokkanisch mit Brot Marmelade, Honig und vor allem Amlou (Arganöl, Honig und Arganmandeln). Gut gestärkt und nach der ersten Runde Tee geht es Richtung Tafraoute. Dort verweilen wir erst mal nur kurz und kaufen für die Mittagspause Brot, Oliven und ein paar Bananen. Dann geht es los Richtung Vallée Ait Mansour. Unterwegs am Stadtrand von Tafraoute machen wir noch einen kurzen Fotostopp am Chapeau Napoléon. Auch da sehen wir wieder die typische Landschaft des Antiatlas. Eine schroffe Berglandschaft, die aber aufgrund der unterschiedlichen Farben und Formen der Steine durchaus einen großen Reiz hat und an der wir uns fast nicht satt sehen können. Und dann fahren wir nach etwa 40 km über eine Bergkuppe und plötzlich beginnt ein Bachlauf und die ein oder andere kleine Palme zeigt sich entlang des Bachlaufs. Der Bach (oder das kleine Flüsschen) führt aufgrund der kürzlich zurückliegenden Regenfälle ordentlich Wasser. Die Straße führt entlang des Flüsschens hinab ins Tal. Unten angekommen gelangen wir von einem Moment zum anderen in einen dichten Palmenwald, die Oase Ait Mansour. Wir beschließen das Auto am Anfang der Oase abzustellen und gehen zu Fuß weiter. Es ist herrlich still und außer ein paar einheimischen Berbern und dem ein oder anderen Hund begegnen wir niemandem. Wir stellen schnell fest, dass auch hier bei Jung und Alt der technische Fortschritt Einzug gehalten hat, als uns eine alte Frau entgegen kommt, die Tarik etwas verzweifelt fragt, wie sie wohl ihr altes Nokia-Handy wieder zum Laufen bringen kann. Nach kurzer Prüfung kommt Tarik zum Schluss, dass sie es wohl nur mal wieder aufladen muss.

Beim Spaziergang durch die Oase fällt uns außerdem schnell auf wie stark die vergangenen Regenfälle wohl waren. Überall können wir noch erkennen, wo das Wasser hingereicht hat.

Zurück am Auto setzen wir uns in den benachbarten Palmengarten, der zum Minimarkt dieser Ortschaft gehört. Wir genießen die Sonne und neben dem mitgebrachten Proviant organisiert uns Tarik noch ein frisches Omelette vom Inhaber des Minimarkts. Dazu gibt es natürlich wieder grünen Tee mit frischer Minze und natürlich Zucker. Anschließend verlassen wir die Oase. Doch bevor wir wieder nach Tafraoute zurückkehren, geht es noch zu den berühmten blauen Felsen. Dieses ursprünglich von einem belgischen Künstler geschaffene Kunstwerk findet sich mittlerweile in jedem Reiseführer. Allerdings sind wir in der milden Dezembersonne fast die einzigen, die die Felsen erklimmen. Und irgendwie sehen diese bunten Felsen mitten in der ockerfarbenen Felslandschaft etwas verrückt aus.

Die Rückkehr nach Tafraoute kurz vor dem Sonnenuntergang nutzen wir für einen kleinen „Einkaufsbummel“ durch die Souks. Es ist bereits mächtig viel los, da am nächsten Tag Markttag ist. Gegen 18 Uhr geht zurück zur Unterkunft.

Zum Abendessen geht es wieder auf die Dachterrasse und nachdem alles aufgegessen ist und der obligatorische Tee getrunken ist, geben uns unserer Gastgeber eine kleine Kostprobe typischer Berber-Musik. Nochmal vielen Dank an Tarik, dass er dies für uns organisiert hat.

Tag 3

Direkt benachbart zur Unterkunft „Maison Traditionelle“ befindet sich das alte Wohnhaus der Familie. Dieses wurde als kleines Museum eingerichtet und gleich nach dem Frühstück führt uns einer der Söhne – Mustafa – durch die Räume. Das Haus besteht ganz traditionell aus Lehm und Steinen und zum Anschluss der Tour, die Mustafa in fast einwandfreiem Deutsch hält, werden wir im ehemaligen Wohnzimmer zu einer Runde Tee eingeladen. Dort treffen wir auch auf den blinden Vater, das Familienoberhaupt.

Nach diesem interessanten Einblick verlassen wir unsere Unterkunft für eine weitere Tagestour zum Agadir Tasguent. Dort befindet sich kaum auffindbar und abseits der befestigten Straße eine wunderbare alte Speicherburg. Diese befindet sich auf einem kleinen Hügel und wird nach wie vor von einer Familie bewohnt, die diese „Sehenswürdigkeit“ beaufsichtigt. Da das Familienoberhaupt auf dem schon zuvor erwähnten Wochenmarkt in Tafraoute weilt, werden wir von der etwa 12-jährigen Tochter durch die alten Gemäuer geführt. Die Burg gleicht einer Art Tresorraum mit zahlreichen Schließfächern. In diesen hat die umliegend wohnende Bevölkerung früher alle Ihnen wertvollen Gegenstände wie Getreide, Honig usw. eingelagert. Beim Einlagern wurde auf Holzstücken genau protokolliert, was sich in dem jeweiligen Fach befindet. Beim Rundgang erfahren wir, dass diese Burg auch heute noch teilweise zur Lagerung dieser Lebensmittel bzw. Gegenstände dient.

Mittagessen gibt es bei einer Familie im Nachbardorf. Dort hat Tarik bei seinem letzten Besuch jemanden kennengelernt, der uns herzlich in sein Wohnzimmer einlädt. Zur Begrüßung gibt es auch hier erst mal Tee mit Luisa (Eisenkraut oder Verbene) und anschließend – das nehmen wir an dieser Stelle schon mal vorweg – das beste Tajin, das wir im ganzen Urlaub bekommen werden. Dazu wird selbst gebackenes, frisches Brot gereicht und Salat aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln. Einfach nur lecker!

Danach geht es wieder zurück durch die beeindruckende Landschaft des Anti-Atlas nach Tafraoute. Dort schlendern wir kurz durch die Souks und – da bereits Abend ist – über die Überreste des Wochenmarkts und genießen anschließend den Sonnenuntergang bei einem Kaffee bzw. Tee. Zum Abendessen sind wir dann wieder im „Maison Traditionelle“ und werden mit einer weiteren Tajin-Variation (Hackfleischbällchen in Tomatensoße mit Erbsen und Ei) verwöhnt.

 

Tag 4

Leider müssen wir heute unsere Unterkunft in Oumesnate verlassen und unsere Rundreise fortsetzen. Ziel der heutigen Etappe ist die Oase Fint in der Nähe der marokkanischen Filmstadt Ouarzazate. Auch heute strahlt wie bereits die beiden Tage zuvor die Sonne von einem wolkenlosen Himmel bei milden 20°C. Die komplette Fahrt in Richtung Ouarzazate führt wieder durch die grandiose und abwechslungsreiche Landschaft des Anti-Atlas. Die individuelle Reisegestaltung erlaubt es dabei immer wieder Pausen zum Bilder machen oder Kaffee trinken bzw. Souvenirs kaufen einzulegen. Wir passieren dabei das Städtchen Igherm, wo wir leckere Avocado-Milch trinken. In Taliouine machen wir unsere Mittagspause und in Tazenakht führt uns Tarik in die Souks zum Safran kaufen. Soviel sei verraten: er handelt dabei einen sehr guten Grammpreis aus… Aber gerade auf dem Teilstück von Igherm nach Taliouine wird uns allen noch mal deutlich vor Augen geführt, welche zerstörerische Kraft das erst kurz zurückliegende Hochwasser hatte. Zahlreiche Flussüberquerungen wurden weggespült und wir sind froh, dass Tarik einen SUV ausgeliehen hat. Allerdings zeigt sich auch die pragmatische Herangehensweise der Marokkaner an anstehende Probleme. Während in Deutschland diese Straßen wahrscheinlich monatelang gesperrt wären, sind hier die Flussüberfahrten wieder provisorisch hergerichtet worden. Erleichternd kommt hier natürlich hinzu, dass die Flußbetten mittlerweile wieder (fast) ausgetrocknet sind. Wo noch Wasser fließt, sind immer wieder Frauen beim Waschen zu beobachten. Auch sehen wir auf diesem Teilstück immer wieder Menschen, die Ihre Felder ganz traditionell mit Esel und Pflug bestellen. Die Felder sind meist sehr steinreiche, terrassierte Parzellen und werden hauptsächlich von Frauen in ihren traditionellen Gewändern bewirtschaftet.

Ganz anders dann die Landschaft auf dem letzten Teilstück von Taliouine nach Ouarzazate. Hier fahren wir durch weite Hochebenen, die groß teils landwirtschaftlich genutzt werden und auch etwas moderner mit Traktoren bewirtschaftet werden. Die Felder sind hier flach und weniger steinreich. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir dann noch einen wunderbaren Blick auf die schneebedeckten Berge des Atlas-Gebirges am Horizont. Bereits im Dunkeln erreichen wir die großzügig angelegte Stadt Ouarzazate. Diese durchqueren wir und fahren etwa 10 km über eine staubige Piste in Richtung unserer Unterkunft „Auberge La Terrasse des Délices“ in der Oase Fint. Die letzten Meter bis zur Unterkunft sind für unseren robusten SUV ein kleines Abenteuer, da sich auch hier die Zerstörungen durch das Hochwasser bemerkbar machen. Auch in dieser Unterkunft bekommen wir ein kleines, einfach eingerichtetes, sauberes Zimmer, welches wir mit Hilfe der Klimaanlage angenehm beheizen können. Abendessen gibt es im großen Speisesaal am gemütlichen Holzfeuer. Auch hier die typische Speisefolge: Suppe, Tajin und zum Abschluss Früchte (jahreszeitgemäß Mandarinen und Äpfel) sowie Tee. Auch wenn wir in der Dunkelheit nur erahnen können wie schön die Umgebung wohl ist, entschließen wir uns spontan und ohne Tarik, einen kleinen Nachtspaziergang durch das Flussbett und die Oasengärten zu unternehmen. Dies bleibt nicht unbemerkt und einer der Angestellten der Unterkunft, Said, wittert spontan die Chance sich als „Reiseführer“ ein paar Dirham zu verdienen. Wir wandern durch das feinsandige Flussbett, dass mittlerweile wieder wenig Wasser führt und freuen uns dabei schon darauf am nächsten Morgen alles bei Sonnenschein bewundern zu können…

 

Tag 5

Die kleine Oase erscheint an diesem Morgen friedlich und schön in der Morgensonne. Rings um die Herberge ist ein Palmenwald und am Fluss, der nach Auskunft von Tarik normalerweise kaum oder kein Wasser führt, waschen die Frauen der umliegenden Dörfer Kleider. Nach dem Frühstück auf der Sonnenterrasse brechen wir auf in Richtung des Filmmuseums in Ouarzazate. Eigentlich hätten wir auch gerne die gegenüberliegende Kasbah Taourirt besichtigt. Allerdings ist diese noch geschlossen, da gerade die Unwetterschäden ausgebessert werden. Schade. Im Filmmuseum erhalten wir einen netten kleinen Eindruck in die Filmgeschichte Marokkos. Interessant ist auch die kleine Ausstellung zur Filmtechnik des letzten Jahrhunderts.

Benachbart zum Filmmuseum ist eine kleine Ladenzeile, in der die typischen Souvenirartikel angeboten werden. Einen der Besitzer (Hassan) kennt Tarik noch von einem seiner letzten Besuche. Und er steuert auch dieses Mal den Laden wieder an, da Hassan neben Souvenirs und Schmuck auch Reisen in die Wüste vermittelt. Und so ändern wir bei marokkanischem Tee und Berber-Musik von Hassan unsere Reiseroute ab und beschließen zwei Nächte in der Sahara zu verbringen. Beim Verlassen des Ladens erhalten wir noch eine Einladung zum Mittagessen bei Hassan, die wir erst mal aus Zeitgründen nicht annehmen konnten.

Denn auf alle Fälle wollen wir am heutigen Tag noch das als UNESCO-Weltkulturerbe geltende Ksar Ait Ben Haddou besichtigen. Das Ksar liegt etwa 30 km außerhalb der Stadt Ouarzazate und ist ein touristischer Hotspot. Allerdings haben wir zu dieser Jahreszeit wohl Glück, denn der Betrieb ist überschaubar. Zurück in Ouarzazate legen wir eine Pause im Café Habous ein und genießen in der Sonne Kuchen und Kaffee. Nach einem Bummel durch die Souks und dem interessanten Unterfangen dort eine Briefmarke zu organisieren, stoppen wir auf dem Rückweg zur Unterkunft noch mal bei Hassan, da Tarik noch letzte Details der bevorstehenden Wüsten-Safari klären will. Die Oase und damit unsere Unterkunft erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang und angelehnt an die noch warme Hauswand genießen wir die Ruhe und den Sternenhimmel auf der Terrasse. Said ist irgendwann auch wieder an unserer Seite und so kann ich etwas mein Französisch praktizieren.

Zum Abendessen gibt es dann zum ersten Mal ein leckeres Couscous.

 

Tag 6

Bevor es auf unserer Rundreise weiter zum nächsten Etappenort Agdz geht, nehmen wir uns noch die Zeit für einen kurzen Spaziergang im sandigen Flussbett der Oase Fint in der angenehm milden Dezembersonne. Dann steht die relativ kurze Autoetappe nach Agdz im wunderbaren Drâa-Tal an und bereits um die Mittagszeit erreichen wir unsere Unterkunft. Diese wird von einer Frau gemanagt und daher sehen wir auch zum ersten Mal in einer unserer Unterkünfte auch Frauen und Kinder. Wir können an dieser Stelle schon mal vorweg nehmen, dass diese Unterkunft eine der schönsten auf unserer Rundreise ist.

Der Drâa-Fluss führt, obwohl die vergangenen Regenfälle schon einige Wochen zurückliegen, noch immer reichlich Wasser und die anschließende Besichtigung der historischen Kasbah Cait zeigt eindrucksvoll auf, welche Gewalt die Wassermassen wohl hatten. Denn vor allem diese aus Lehm gebauten Gebäude sind besonders sensibel und Regen- und Flutschäden sind überall sichtbar.

Trotzdem sind vor allem die Spaziergänge durch die herrlichen Palmengärten der Kasbah und vor allem unserer Unterkunft sehr schön, auch wenn zu dieser Jahreszeit und aufgrund der zurückliegenden Überflutungen in den Gärten fast nichts wächst. Uns wird erklärt, dass diese Gärten fast ausschließlich der Selbstversorgung dienen und dass Obst und Gemüse, das auf den vielen Märkten angeboten wird, auf Feldern und Plantagen weiter nördlich (z.B. bei Agadir) angebaut wird. Trotzdem stellen wir fest, dass es fast ausschließlich der Jahreszeit entsprechende Obst- und Gemüsesorten gibt.

Zum Sonnenuntergang begeben wir uns auf einen nahe gelegenen Hügel, auf dem eine alte und nicht mehr bewohnte Kasbah liegt und genießen den weiten Ausblick über den riesigen Palmenwald des Drâa-Tals. Vor dem leckeren Abendessen packen wir noch unsere Rucksäcke für die bevorstehenden Tage in der Wüste um.

 

 

Tag 7

Nach dem Frühstück starten wir direkt in Richtung Mhamid. Es kommt einem fast vor wie die Fahrt ans Ende der Welt, denn in diesem staubigen Ort endet die befahrbare Nationalstraße und es beginnt endgültig die Wüste. Es ist der südlichste Punkt unserer Rundreise und hier starten wir mit unserer von Hassan in Ouarzazate vermittelten Wüstentour. Begleiten werden uns der touristen- und trekkingerfahrene Ibrahim und sein Helfer Addo (der uns in den kommenden beiden Tagen rund um die Uhr fürsorglich mit Tee versorgen wird).

Bevor es aber losgeht, genießen wir noch die Gastfreundschaft der Familie von Mohamed, der der Kontaktmann von Hassan in Mhamid ist und die Wüstentour-Agentur betreibt. Die Etappe zum ersten Nachtlager am Nachmittag bestreiten wir beide reitend auf dem Dromedar. Wir entfernen uns etwa 2 h von Mhamid und schlagen dann unser Nachtlager auf. Dies bedeutet für unsere beiden Begleiter etwas Arbeit: Abladen, Kochzelt aufbauen, Dromedare versorgen… Nur unsere eigenen kleine Zelte schlagen wir selbst auf und auch beim Holz sammeln für das abendliche Lagerfeuer können wir behilflich sein. Der ungemütliche Wind lässt mit Einbruch der Dunkelheit glücklicherweise nach und so können wir nach dem schnellen Sonnenuntergang den unglaublichen Sternenhimmel (und auch die ein oder andere Sternschnuppe) bewundern. Ibrahim bereitet in der Zeit das Abendessen vor und Addo versorgt uns in der Zwischenzeit immer wieder mit Tee, Erdnüssen und Keksen. Außerdem gesellt sich noch ein Dromedar-Hirte zu unserer Runde und so hat jeder Unterhaltung bis wir gegen 22.30 Uhr unser Zelt aufsuchen.

Da die Temperaturen in der Nacht weiter sinken, ärgere ich mich am frühen Morgen darüber, dass ich am Abend zu faul war, die Wollsocken zu suchen und nun kalte Füße habe…

 

Tag 8

Aufgrund der kalten Füße verlasse ich am nächsten Morgen mit Anbruch des Tages unser Zelt, um die klammen Glieder etwas in Bewegung zu bringen und aufzuwärmen. Nach und nach werden auch die anderen wach und genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bevor es Frühstück gibt.

Danach brechen wir unser Nachtlager ab und unsere beiden Führer beladen wieder die Dromedare. Weiter geht es durch die nun größer werdenden Sanddünen, während der Wind immer weiter auflebt. Trotz der unwirtlichen Umgebung wachsen überall die sehr widerstandsfähigen Tamaris-Bäume, deren abgestorbenen Stämme und Äste uns abends als Feuerholz dienen. Zudem wachsen aufgrund der kürzlich gefallenen Niederschläge noch sehr viele Gräser und Kleinpflanzen, die ansonsten nicht zu sehen sind…

Zur Mittagspause „retten“ wir uns in einen einigermaßen windarmen Schatten eines großen Tamaris-Baums und genießen nach kurzer Zeit bereits wieder einen weiteren Tee von unserem Reiseführer-Gehilfen Addo. In der Zwischenzeit bereitet Ibrahim einen frischen Salat mit Thunfisch vor. Frisch gestärkt setzen wir unsere Wanderung durch die Dünenlandschaft fort und schlagen bereits wieder einen Bogen in Richtung unseres Ausgangsorts Mhamid.

Zuvor steht aber noch eine weitere Zeltübernachtung in der Wüste an und für den Abend hat sich unser Reiseführer Ibrahim ein ganz besonderes Highlight ausgedacht. Er bereitet ein im heißen Wüstensand unter der Feuerstelle frisch zubereitetes Brot zu. Dies ist überraschenderweise nach fachkundiger Behandlung durch Ibrahim auch fast sandfrei und so genießen wir einen weiteren Abend unter dem unendlich erscheinenden Sternenhimmel.

 

Tag 9

An diesem Morgen soll alles möglichst schnell gehen, da wir von Mhamid noch eine lange Fahrt nach Marrakesch vor uns haben. Daher stehen wir mit Anbruch des Tages auf, frühstücken kurz und schlagen so schnell als möglich unsere Zelte ab.  Wieder in Mhamid angekommen, muss trotz unserer Eile aber noch ein letzter Tee bei Mohamed getrunken werden. Was muss, das muss eben…

Dann starten wir zu unserer längsten und insgesamt auch anstrengensten Tagesetappe von der Wüste über die hohen Berge des Atlas nach Marrakesch. Kurz nach Mittag erreichen wir wieder Ouarzazate und nehmen das einige Tage zuvor ausgesprochene Mittagessens-Angebot von unserem Wüstentrekking-Vermittler gerne an. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Tageszeit nehmen wir das Essen nicht bei ihm zu Hause sondern direkt in seinem Laden ein. Es gibt von seiner Frau zubereitete Sardinen sowie Salat, Oliven und Brot. Als Dessert bekommen wir wie fast immer in diesen Tagen Clementinen und Äpfel gereicht.

Wir verabschieden uns nun endgültig von Hassan und fahren durch eine sehr reizvolle Landschaft in Richtung Atlas. Den Hohen Atlas überqueren wir am Tichka-Pass und ich persönlich bin etwas traurig, dass nicht noch etwas Zeit bleibt, den Schnee in einem der wenigen Skigebiete zu genießen. Wo sonst hat man die Möglichkeit aus der Wüste direkt in den Schnee zu gelangen…

Wir setzen unsere Fahrt allerdings nach einer kurzen Teepause in einem kleinen Café am Tichkapass fort. Schnell wird es dunkel und wir verstehen einmal mehr, warum man in Marokko für wenige Kilometer doch einiges an Zeit einrechnen muss. Die Abfahrt im Dunkeln über die kurvige Passstraße ähnelt einem Computerspiel. Aus der Dunkelheit tauchen für Tarik immer wieder Fußgänger, Hunde, Mofas oder sonstige bewegliche Hindernisse auf, die eine vorsichtige Fahrweise erfordern.

Aber schießlich und endlich erreichen wir sicher unser Ziel „Caro“ bei Marrakesch, wo uns Jean-Michel und seine Frau Saida mit Ihren Hunden und Katzen sehr herzlich empfangen.

Und bevor es dann zum Abendessen einen von Saida hervorragend zubereiteten Tajin gibt, genießen wir unsere erste Dusche seit drei Tagen…

Tag 10 und 11 wird von Tarik ergänzt, da ich leider keine Zeit zum Schreiben mehr gefunden habe und in nächster Zeit auch nicht mehr dazu komme. Ich hatte ihm den Reisebericht aber versprochen und ihn deshalb lieber nicht ganz fertig abgeliefert.

Tag 10

Erinnerungen von Tarik:

Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg nach Marrakesch gemacht. Es war sehr schönes sonniges Wetter. Wir sind durch die Souks geschlendert und haben die Medersa Ben Youssef und das Marrakesch-Museum besucht.

Auch ein Tee auf der Terrasse des Café de France darf natürlich nicht fehlen. Zum Mittagessen haben wir die typische marrakescher Spezialität Mechoui in einem kleinen Lokal. Dort gibt es ein Loch im Boden worin das ganze Schaf auf einem Spieß bei ganz kleiner Hitze lange Zeit gart. Es schmeckt fantastisch und ist super zart und saftig.

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 Nach dem Essen tat der Spaziergang zu den Saadier Gräbern und Bahia Palast richtig gut. Auch zurück zum Jemma al Fna sind wir die 20Min zu Fuß gegangen. Dort haben wir uns in ein Tuk-Tuk gesetzt und uns zum Jardin Majorelle fahren lassen.

Die Abendstimmung in Marrakesch durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen, denn mit einsetzender Dunkelheit ändert sich die Atmosphäre auf dem Jemma al Fna.

Den Abend haben wir gemeinsam mit Jean-Michel, Saida und 3 weiteren Gästen gemütlich am Kaminfeuer gebracht. Einer der Gäste war ein französischer Chansannier und hat uns mit seiner Gitarre und seinem Gesang unterhalten.

Tag 11

Essaouira

Die anderen Gäste der Domain Caro haben ihre Skier ins Auto gepackt und sind nach Oukaimden in den Hohen Atlas zum Skilaufen gefahren.

Uns hat es an den Atlantik gezogen und sind nach Essaouira gefahren. Hier haben wir einen wunderschönen Tag verbracht mit nochmal wieder ganz neuen Eindrücken. Dany hat sogar Arganhonig in einer Cooperative probiert obwohl sie Honig gar nicht mag.

In Sidi Kaouki durfte die Quad Tour am Strand nicht fehlen. Es war ein schöner warmer Tag und Martin hätte sogar gebadet, wenn er denn eine Badehose im Gepäck gehabt hätte.

One thought on “Marokko-Rundreise mit Tarik Tours im Dezember 2014

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