10.09. – 12.09. Essaouira

Wir starten in Frankfurt und fliegen über Madrid nach Marrakesch, wo wir pünktlich landen. Unterwegs haben wir eine schöne Sicht auf Gibraltar und bekommen einen ersten Eindruck von dem „roten“ Land Marokko.

Wir wollen von Marrakesch nach Essaouira fahren, dort uns einige Tage auf Marokko einstimmen und dann am 13.09. unsere Rundreise beginnen. Schon im Vorfeld bekommen wir von Tarik Tipps für unseren Aufenthalt.

Den Plan die Strecke von Marrakesch nach Essaouira per Bus zu bewältigen können wir nicht umsetzen, Supratours hat keinen Platz mehr frei, deshalb nehmen wir kurz entschlossen ein Taxi, das uns in Essaouira am Bab Doukhala absetzt. Nach einer kurzen Verschnaufpause – wir essen unseren ersten marokkanischen Pfannkuchen – machen wir uns auf den Weg durch die für Autos gesperrte Medina und finden – durch eine Baustelle etwas in die Irre geleitet – mit Hilfe zweier Einheimischer schnell zu unserem Riad „O Gré du Vent“. Für die Taxifahrt bezahlen wir 650DH, laut unserer Riadbesitzerin ein normaler Preis und im Vergleich zu den 200DH, die wir für das kurze Stück vom Flughafen bis zum Hauptbahnhof in Marrakesch bezahlt haben, geradezu günstig.

Essaouira ist eine Mischung von Ursprünglichkeit – besonders im Souk und den umliegenden Gassen und dem Hafen – und touristischem Leben. Wir haben das Glück, dass während unseres Aufenthaltes dort das Opferfest gefeiert wird, mit der höchste muslimische Feiertag. Tarik und auch unsere Riadbesitzer haben uns auf die Schlachtung von Schafen vorbereitet, deshalb sind wir nicht erstaunt über die vielen Schafe, die in den Handkarren durch die Straßen transportiert werden und die Blutflecken, die man vereinzelt sieht. Montags werden auf den Straßen die Schafsköpfe auf großen Grillrosten über Kohlefeuern geröstet, auch das kommt uns nicht mehr so befremdlich vor.

Wir essen unsere ersten Tajines, trinken den sehr starken …. und süßen …. Grüntee, meist mit Minze, einmal trinke ich ihn mit Ingwer, was auch lecker ist.

Wir besuchen auch den Strand, der breit und sehr weitläufig ist. Leider ist die Uferpromenade im Bau, was dem Strandleben viel von seinem Flair nimmt.

Montag Abend lernen wir dann Tarik kennen. Gemeinsam bewundern wir im Hafen den Sonnenuntergang und gehen essen – unsere erste Pastilla – mit Hähnchen und Mandeln gefüllt, mit Zimt gewürzt und sehr lecker. Anschließend begleitet Tarik uns zu unserem Riad, wo er uns am nächsten Morgen dann abholen will. Schon nach dem ersten gemeinsamen Abend haben wir das Gefühl, dass wir es mit Tarik 2 Wochen lang aushalten können 😉

Mit unserer Unterkunft sind wir ebenfalls zufrieden: Zimmer und Bad eher einfach, aber zweckmäßig, ein ausgesprochen schön angerichtetes marokkanisches Frühstück – Pfannkuchen, Brot, Honig, Marmelade und Amlou (Mandelmus mit Arganöl und Honig), Obst und selbstgemachten Joghurt – in dem sehr gemütlichen überdachten Innenhof, eine Dachterrasse mit herrlicher Aussicht über die Medina und das Meer und Besitzer, die für alle Fragen offen sind.

Sonnenuntergang
Blick von unserer Dachterasse
Der Mützenmann
Abendessen mit Tarik

13.09. Agadir

Wir starten pünktlich. Die Strecke bis Agadir führt durch das Gebiert der Arganbäume, die weltweit nur hier wachsen. Bei einigen Zwischenstopps schauen wir uns die Bäume genauer an, wir sehen die berühmten Ziegen, die sich nach den Blättern recken und dafür sogar in die Bäume klettern. Wir machen einen kurzen Halt in einer Arganöl-Kooperative, wo man uns zeigt, wie die Früchte geschält werden – die Schalen werden als Viehfutter genutzt – ,dann die harte Innenschale geknackt wird , sie dient als Brennmaterial und der etwa sonnenblumengroße Kern in den speziellen Steinmühlen gemahlen wird. Für kosmetische Zwecke verwendet man den frischen Kern, für Speiseöl wird der Kern noch geröstet. Wir kaufen eine Flasche Speiseöl (250ml für 170DH) und freuen uns an dem sehr leckeren nussigen Geschmack.

Mittagsimbiss (Arganöl, Olivenöl, Honig, in die wir Brot tauchen, dazu Oliven) nehmen wir in einem Restaurant mit Blick auf ein ganzes Tal ausfüllende Bananenplantagen, die Bananen sind relativ klein und werden auf dem lokalen Markt angeboten. Hier fragen wir zum ersten Mal nach WLan, um Nachrichten abrufen zu können, ein Ritus, der uns die kommenden 2 Wochen begleiten wird.

Vor Agadir machen wir einen Abstecher zum Paradise Valley mit kurzer Wanderung. Leider führt der Fluss nur wenig Wasser, deswegen ist der Anblick nicht ganz so spektakulär, die Wanderung trotzdem sehr schön, für uns besonders deshalb, weil es uns an ein sehr ähnlich aussehendes Tal mit gleichem Namen in Brasilien erinnert.

Auf der Weiterfahrt treffen wir Conny, die uns die kommenden 2 Wochen begleiten wird. In Agadir fahren wir direkt auf die Kasbah, die wie die ganze Stadt bei einem Erdbeben 1960 weitgehend zerstört wurde und genießen den Blick über die Bucht.

Wir wohnen im Hotel Anise – in einem riesigen Appartement – und essen auch dort zu Abend. Zum Nachtisch machen Conny und Tarik uns mit den berühmten „Schnittchen“ bekannt, kleine Kuchenstücke, die es in unendlicher Auswahl gibt.

Küstenstraße nach Agadir
Im Paradise Valley

14.09. – 16.09. Oumesnat

Nach einem üppigen Frühstück und einem Strandspaziergang brechen wir gegen 12.00 auf Richtung Oumesnat. Unterwegs haben wir immer wieder tolle Ausblicke – an einem Steinfeld mit Arganbäumen und Blick auf die Berge des Anti-Atlas und an der Kasbah Tizourgane legen wir Fotostopps ein. Die Kasbah liegt auf einem Hügel, sie ist bewohnt. Leider reagiert niemand auf unser Klopfen, aber auch von außen ist die Anlage sehenswert.

Auf dem Weg nach Oumesnate
Kasbah Tizourgane

Gegen 16.00 erreichen wir Oumesnat, vom Parkplatz bis zu unserer Unterkunft, dem „Maison traditionelle“ müssen wir einige 100m zu Fuß gehen. Rashid, der Besitzer des Hotels, holt uns am Parkplatz ab. Unser Zimmer ist einfach eingerichtet, der Ausblick – besonders von der Terrasse aus – genial. Nach einem Tee machen Walter und ich einen ersten Spaziergang durch den alten Ortsteil bis zur Moschee. Die meisten Häuser sind hier unbewohnt und im Verfall begriffen. Das Nebeneinander von bewohnten Häusern und Ruinen, das wir hier überall sehen, ist für uns sehr ungewohnt.

Unsere Mahlzeiten werden auf der Terrasse serviert, wir essen nicht à la carte sondern bekommen alle dasselbe Essen serviert, am ersten Abend eine kalte Apfel-Bananen-Karottensuppe bestreut mit Zimt, dann Hähnchen mit Zwiebeln und Rosinen, begraben unter einem Berg kleiner Nudeln, bestreut mit Zucker und Zimt, zum Abschluss Obst und einen Tee aus Eisenkraut.

Am nächsten Morgen gegen 7.30 beobachten wir im ausgetrockneten Flussbett unterhalb des Hauses Wildschweine, wir bemerken sie, weil die Hunde anschlagen.

Die Moschee von Oumesnate
weiß abgesetzt – unsere Unterkunft

 

 

Nach einem gemütlichen Frühstück – hier gibt es das Berberfrühstück mit Arganöl, Marmelade und Amlou – brechen wir gegen 10.00 auf zum „Gorges Ait Mansour“, kurz hinter Oumesnat fahren wir am „Tête de Lion“ vorbei, einer besonderen Steinformation, die wir wegen des dafür ungünstigen Sonnenstandes nicht gut erkennen können und machen wenig später am „Chapeau de Napoléon“ einen ersten Fotostopp. Auf der Weiterfahrt öffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf die in den Berghängen liegenden Ammeln-Dörfer. Am Ziel angekommen bummeln wir ein Stück durch die eindrucksvolle Schlucht, teilen uns zu Mittag ein „Tajine-Omellett“

Chapeau Napoleon
Gorges Ait Mansour

 

Nächste Station sind die Blauen Steine des belgischen Künstlers Jean Vérame. Die Idee die Steinformationen so weitläufig zu bemalen ist schon etwas verrückt, wir fotografieren ausgiebig und denken am Ende, dass durch die Bemalung in besonderer Weise auf die schönen Steinformationen aufmerksam gemacht wird.

Auf dem Rückweg fahren wir nach Tafraoute, hier kaufen wir uns eine kleine Teekanne.

 

Am nächsten Tag besuchen wir vormittags das „Maison traditionelle“, das ehemalige Wohnhaus der Familie, das heute ein Museum ist. Mohammed, der jüngere Bruder von Rashid, führt uns durch die ehemaligen Wohnräume, zeigt uns die alten Möbel und Gerätschaften und erklärt uns deren Funktion.

Im Obergeschoss, der Etage, die traditionell den Gästen vorbehalten ist, treffen wir auf den Vater der Beiden, einen über 90 Jahre alten Herrn, der in diesem Haus geboren wurde, jetzt aber im Dorf lebt. Er ist seit einem Unfall erblindet, bewegt sich jedoch sehr sicher in den Räumen, bereitet für uns – unter Mithilfe von Mohammed – einen traditionellen Tee zu und erklärt dabei diesen Brauch – überwiegend in ausgezeichnetem Deutsch, gibt Episoden aus seinem Leben zum Besten, führt dann an mir die traditionelle Frauenbekleidung vor – ein schwarzes Tuch mit buntem Saum, das ähnlich einem Sari gewickelt wird und singt zum Abschluss 2 Lieder, die er mit Banjo begleitet. Er beeindruckt uns sehr durch die Würde und Zufriedenheit, die er ausstrahlt.

Ein Teil der alten Küche. Hier wurde Getreide gemahlen
In der guten Stube

Gegen 12.00 starten wir zum Agadir Tasguent. In einem Dorf unterhalb des Agadir besuchen wir Hassan und seine Familie. Die anfängliche Zurückhaltung legt sich schnell, Hassan bereitet Tee für uns zu, anschließend essen wir – alle an einem runden Tisch aus einer Tajine – Lamm mit Pflaumen und Kartoffeln. Anschließend besichtigen wir den Agadir, eine Speicherburg mit 200 Räumen, in denen die Bauern der Umgebung ihre Vorräte gelagert haben. Wir sehen schön bemalte Holztüren, statt Leitern ragen aus den Mauern Steinplatten, über die man die oberen Etagen erreichen kann. Hier serviert man uns mal keinen Tee sondern Kaffee, zum Abschluss genießen wir von der „Terrasse“ aus den grandiosen Blick in das Tal.

Am Abend wartet noch eine besondere Überraschung auf uns. Nach dem Abendessen – Tajine „Kefta des Oeufs“, wieder sehr lecker, spielen Mohammed, Rashid und 2 Freunde für uns Berbermusik, ein Mann aus einer französ. Reisegruppe trägt einige Chansons vor …. wir fühlen uns an „Dersert inspiration“ von Lulo Reinhardt erinnert und genießen bis gegen 23.00 diesen wunderschönen Abend.

Zu Fuß zum Agadir hoch
Berbermusik mit Rachid, Mohamed und zwei Freunden

17.09. –19.09. Tamnougalte

Wir brechen nach einem schnellen Frühstück kurz nach 8.00 auf, weil wir heute eine lange Wegstrecke vor uns haben (ca. 400km). Für uns ist das kein Problem, die vielen, immer wieder neuen Eindrücke, die uns die Landschaft bietet, lassen keine Langeweile aufkommen. Bei einem Stopp in Tazenakht kaufen wir Safran ein (25DH/gr).

Unterwegs passieren wir ein Tal, in dem eine Reihe Steinbrücken durch starke Regenfälle zerstört sind, der Boden ist noch feucht, auf holprigen Fahrspuren neben den Brücken kommen wir ein Stück weit nur langsam voran. Gegen 18.00 erreichen wir schließlich die Kasbah Itrane in Tamnougalte, in der wieder ein schönes Zimmer auf uns wartet und leckere Mahlzeiten, die wir fast immer auf der Terrasse neben dem Pool einnehmen.

Sonntag Vormittag steht der Besuch der Kasbah Tamnougalte auf dem Programm. Hisham, ein Freund Tariks, zeigte uns in einer ausführlichen Führung die zugänglichen Räume und lädt uns auf die Dachterrasse zu einem Tee ein. Von den hier lebenden 20 Familien sieht man kaum jemanden. Bei dem anschließenden Rundgang durch den Garten versorgt Hisham uns mit frischen Datteln, die wir mittlerweile sehr gerne essen.

Dann geht es weiter zu einem nahe gelegenen Dorf mit schöner Aussicht auf den Draa, der gerade nur wenig Wasser führt.

Unsere Hotelterrasse
In der Kasbah Tamnougalte

Durch die Hotelbesitzerin erfährt Tarik, dass im Dorf eine Hochzeit stattfinden soll, wir erleben den von einer fröhlich aufspielenden Musikergruppe begleiteten Zug der Bewohner – überwiegend Frauen und Kinder – zum Haus des Bräutigams, vor dem eine große Gruppe weiß gekleideter Männer wartet. Wenn wir das richtig verstanden haben, sollte hier eine rituelle Henna-Bemalung des Bräutigams stattfinden.

Am nächsten Tag besuchen wir die Felsmalereien von Tizouline, die frei zugänglich sind. Unterwegs kaufen wir uns in einem Souk eine einfache braune Tajine, wie sie hier überall benutzt wird (25DH). In der kargen Landschaft hatte Hisham für uns einen schönen Platz für ein Picknick ausgesucht und lädt uns ein zu Tee, Nüssen, Oliven, marokkanischem Salat und Fleischspießen. Wegen eines kleinen Missgeschicks – als Hisham das Grillfeuer anzünden will, stellt sich heraus, das alles da ist, nur kein Feuerzeug ;-)……zieht sich unser Picknick in die Länge. Am Ende haben wir auch noch etwas Pech mit dem Wetter, ein starker Wind kommt auf und es fällt etwas Regen, deshalb gibt es den Nachtisch in einer Halle des Hauses, in dem der Wärter der Felsmalereien wohnt. Wegen des ungemütlichen Wetters verzichten wir auch auf den eigentlich geplanten Spaziergang weiter ins Tal hinein.

Prähistorische Felsmalereien

20.09. –21.09. Merzouga

Unser nächster Reisetag führt uns 300km weiter nach Merzouga. In Alnif machen wir den ersten Stopp und schauen uns das Angebot eines Fossilienhändlers an. Beim nächsten Halt in Rissani wartet ein besonderes Erlebnis auf uns. Bei einem Gewürzhändler, den Tarik über seinen Bruder vermittelt bekam, kaufen wir sehr günstig Gewürze ein (ca. 1kg für 100DH). Wir werden zum obligatorischen Tee eingeladen, den wir direkt im Verkaufsstand trinken und essen mit Fleisch und Gemüse gefülltes Fladenbrot, das sehr lecker schmeckt, mit insgesamt 400DH jedoch arg überteuert ist.

Unterwegs nach Merzouga – Djebel Saghro
Warten auf das Essen im Gewürzstand

In Merzouga haben Tarik und Conny kurzfristig ein neues Hotel, das Kanz Erremal für uns gebucht. Im ursprünglich vorgesehenen „Petit Prince“ wurde ein Stellplatz für Wohnmobile eingerichtet, was den Ausblick auf die Wüste etwas beeinträchtigt. Das „Kanz Erremal“ steht direkt am Rande der Dünen und bietet von seinen Terrassen einen direkten Ausblick auf die beeindruckende Wüstenlandschaft. Von der Terrasse vor unserem Zimmer beobachten wir einen wunderbaren Mondaufgang.

Am nächsten Tag sind wir nur zu dritt unterwegs, Conny ist nicht ganz fit und bleibt im Hotel. Wir fahren durch den Ort zu einer Stelle, wo man „Rheumabäder“ in warmen Wüstensand nehmen kann, treffen auf einen Kameltreiber, der frische Kamelmilch anbietet, sie ist sehr schaumig, es sieht fast aus wie Eischnee, Walter und Tarik teilen sich ein Glas Milch, Walter findet sie lecker. Anschließend geht es weiter durch die karge Steinlandschaft Richtung algerische Grenze. In einem Dorf sucht Tarik für uns jemanden, der uns den traditionellen Tee zubereiten kann. Hier gibt es kein Cafe, das geöffnet hat, aber es findet sich jemand, der uns in sein etwas außerhalb gelegenes Privathaus zum Tee einlädt und uns anschließend noch zu einem Ort führt, wo man Felsgravuren sehen kann und Tumuli, niedrige Steinbehausungen, deren Alter und Funktion nicht ganz zu klären sind.

Für abends haben wir einen kurzen „Sonnenuntergangs-Kamelritt“ gebucht. Leider ist es bewölkt, erst kurz bevor die Sonne verschwindet, zeigt sich der rote Himmel, gerade ausreichend für einige romantische Fotos. Das Reiten auf dem Dromedar hat Spaß gemacht und war auf alle Fälle entspannender als das für uns sehr anstrengende Stapfen durch den Sand.

Die Terrasse des Hotels mit Blick auf die Sanddünen

 

22.09. –23.09. Dades-Tal

Wir fahren ins Dades-Tal, Ziel ist die Auberge „Jardin de la Source“ in Ait Ali. Unterwegs machen wir einen Abstecher ins Todrha-Tal, die Schlucht ist recht spektakulär, allerdings hat der Abstecher durchaus gereicht. Vorher gibt es ein gemütliches Mittagessen in einem Zelt auf der Dachterrasse eines Restaurants.

Der Empfang im „Jardin de la Source“ ist sehr herzlich. Tarik und Conny haben den Besitzer Hussein vor einigen Jahren kennen gelernt. Wir wohnen in einem Appartement mit rundem Himmelbett und eigenem Balkon, den wir allerdings nicht genutzt haben, weil der schön angelegte Garten mit seinen diversen Sitzecken viel zu einladend ist. Frühstück und Abendessen sind bei Hussein lecker und ausgesprochen üppig.

Nachdem wir uns erfrischt haben, machen wir einen ersten Spaziergang durch die am Hang liegenden Gärten hinunter ins Tal zu einem kleinen Wasserfall.

Am nächsten Tag wollen wir in Begleitung von Hussein einen Spaziergang durch das Tal machen. Beim Abstieg ist Walter gestürzt und hat sich den rechten Fuß verstaucht. Wir sind dann noch hinunter bis zum Fluss gegangen, dann aber auf kürzestem Weg zurück in die Auberge. Im alten Dorf haben wir eine Weile auf dem „Beratungsplatz“ gesessen, ein schattiger Platz in einer Gasse mit Steinbänken auf beiden Seiten, wo man sich früher zum Gespräch getroffen hat. Dort begegneten wir Halima, die uns zu einem Tee in ihr nahe gelegenes Haus einlädt. Die Einladung zum Couscous, der traditionell Freitag Mittag gegessen wird, konnten wir leider wegen Walters schmerzendem Fuß nicht annehmen.

Nachmittags fahre ich dann mit Tarik und Conny ins Dades-Tal, erst durch die beeindruckende Schlucht mit den berühmten Serpentinen, dann weiter durch ein fruchtbares grünes Tal, gesäumt von immer wieder anders „aufgefalteten“ Felsformationen bis nach Msemrir. Walter wird unterdessen von Hussein bestens versorgt, einschließlich Fußbad mit Salz.

Im Garten der Auberge

 

24.09. – 25.09. Oase Fint

Wir brechen gegen 10.00 auf, es geht erst noch einmal hinauf ins Dades-Tal. Tarik hat Walter angeboten, noch einmal bis zu den Serpentinen zu fahren, worüber der sich sehr freut. So kann auch er von dem Aussichtspunkt oberhalb der Serpentinen den gigantischen Blick ins Tal genießen. Dann geht es zurück und weiter durch das Dades-Tal bis Ouarzazate. Unterwegs durchqueren wir ein Rosenanbaugebiet und kaufen in El Kelâa Rosenwasser ein. Am frühen Nachmittag kommen wir in Ouarzazate an und lernen das „Habous“ kennen, das Lieblingscafé von Conny und Tarik. Wir essen eine Kleinigkeit und gönnen uns zum Abschluss einen süßen Nachtisch, eines der von Conny heiß geliebten „Schnittchen“. Dann geht es weiter in westlicher Richtung zur ca. 10km entfernten Oase Fint. Am Stadtrand passieren wir ein offensichtlich als Baugebiet vorgesehenes Areal, in dem – für uns sehr ungewohnt – keinerlei Gebäude stehen, die Straßen und die Straßenbeleuchtung jedoch komplett fertiggestellt sind.

Unsere Unterkunft „La Terrasse des Délices“ liegt am Ortsrand – schön angelegte Gebäude, die Zimmer klein und einfach ausgestattet, eine tolle Terrasse mit blau gekacheltem Pool – rundum Steine, Sand, Palmen, ein Fluss mit wenig Wasser.

 

Nach einem erfrischenden Bad im Pool machen wir einen Spaziergang zum Fluss. Das Abendessen wird unter dem klaren Sternenhimmel auf der Terrasse serviert – Hähnchen-Tajine, wieder sehr lecker. Später gibt es Trommelmusik. Walter „durfte“ mit trommeln und hat sich gar nicht so schlecht geschlagen.

Am nächsten Vormittag besuchen wir die Kasbah Taourirt in Ouarzazate. Tarik kennt auch hier einen perfekt deutsch sprechenden Führer, der uns einen ausführlichen und dennoch kurzweiligen Rundgang durch die Kasbah bietet. Auf den anschließend vorgesehenen Besuch des Filmmuseums verzichten wir, Walter hätte wegen seines Fußes nicht mitgehen können und mir fehlt das Interesse hierfür. Stattdessen gönnen wir uns einen ausgedehnten Besuch im „Habous“ mit bekanntem Ablauf 😉

UNESCO Weltkulturerbe Kasbah Taourirt

 

26.09. – 27.09. Domaine Caro

Wir brechen etwas zeitiger auf (gegen 8.30), weil heute wieder ein größeres Programm auf uns wartet. Wir fahren das kurze Stück bis Ait Benhaddou, wo wir Andi kennen lernen, einen hier lebenden Österreicher. Ich mache mit Tarik und Abdoul ( dem „Schakal“) einen 2-stündigen Spaziergang durch den malerisch auf einem Hügel liegenden Ksar, der seine Popularität den zahlreichen hier gedrehten Filmen verdankt. Der „Schakal“ ist über 90 Jahre alt, spricht gut deutsch und erinnert in seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung sehr an das Familienoberhaupt im Maison traditionelle.

Tarik und Abdoul

 

Dann geht es weiter über Telouèt und den Hohen Atlas zum Ourika-Tal. Die Strecke bis Telouèt ist so, dass man eigentlich an jeder Straßenbiegung einen Fotostopp hätte einlegen können – ein enges Tal mit verstreut liegenden Siedlungen. Hinter Telouèt hat Tarik in einem ausgetrockneten Bachbett Salz geschlagen; dann ging es über den Pass, dank mittlerweile gut ausgebauter Straßen kommen wir schneller als gedacht voran und sind gegen 18.30 in der Domaine Caro. Alle sind sich einig, dass die Wegstrecke heute ein landschaftlicher Höhepunkt war, nicht weniger beindruckend als das sehr schöne Dades-Tal.

Tarik erntet Salz
Telouet

 

Ursprünglich hatten wir uns etwas gewundert, dass wir 25km außerhalb von Marrakesch wohnen, nachdem wir die Domaine Caro und ihre Besitzer Saida und Jean-Michel kennengelernt haben, wundern wir uns nicht mehr. Wir fühlen uns von Anfang an wie zuhause, freuen uns über unser schönes, direkt an der überdachten Terrasse liegendes Zimmer, sitzen im herrlich angelegten Garten unter Olivenbäumen und meterhohen Hibiskussträuchern, genießen das sehr leckere Essen und den aufmerksamen Service auf der Terrasse..

Unser letzter gemeinsamer Ausflug führt uns am nächsten Tag ins Ourika-Tal, es ist ein Naherholungsgebiet für die Marrakchis, der Einwohner von Marrakesch, erst zahlreiche Potterien, dann Restaurant an Restaurant mit Stühlen und „Couchlandschaften“ am und im Wasser, inmitten einer schönen Bergkulisse.

Wir kaufen noch einige Kleinigkeiten ein, u.a. Teegläser und freuen uns, als wir abends feststellen, dass in der Domaine Caro die gleichen Gläser benutzt werden.

Im Ourika Tal
Domain Caro

28.09. – 01.10. Marrakesch

Nach dem Frühstück bringen Conny und Tarik uns nach Marrakesch zu unserem Riad „Mirage“, das ganz in der Nähe des „el Fna“ liegt. Wir beziehen ein kleines geschmackvoll eingerichtetes Zimmer, in dem wir uns sehr wohl fühlen. Nach dem Einchecken und einem letzten gemeinsamen Tee nehmen wir – etwas wehmütig – Abschied. Conny und Tarik fahren zurück in den Süden und wir machen uns auf Marrakesch zu erkunden. Im Cyber-Park finden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, deswegen halten wir uns dort nicht lange auf. Wir bummeln durch die Souks rund um den „Djeema el Fna“ und beobachten eine Weile von der Terrasse des „La France“ das Treiben auf dem Platz. Die Medina erscheint uns sehr sauber, in den Souks werden die Straßen mit Wasser bespritzt um den Staub zu bannen, oft sieht man Leute beim Kehren, das gilt auch für den „el Fna“, wo abends riesige „Staubsauger“ die Abfälle einsammeln. Das Essensangebot auf dem Platz hat uns etwas erschlagen, deshalb ziehen wir die Restaurants in den Seitengassen vor. Immerhin trinken wir den frisch ausgepressten Orangensaft, der nur 4DH kostet, Conny hat erzählt, dass der Saft subventioniert wird.

 

Am nächsten Tag nehmen wir eine Taxe zum Jardin Majorelle und tauchen für gute 2 Stunden in die verzauberte Stimmung dieses schönen Gartens ein. Nachmittags finden wir dann, dank des guten Stadtplans in unserem Reiseführer und der Mithilfe einiger Passanten das Restaurant „Dar Cherifa“, ein aufwendig renoviertes Riad in der Medina. Es gefällt uns so gut, dass wir für abends einen Tisch reservieren und dann in ausgesucht schöner Atmosphäre lecker essen, je eine Pastilla – Walter mit Meeresfrüchten, ich mit Huhn (460DH mit Getränken und Nachtisch).

 

Insgesamt erscheint das Leben hier recht teuer, die Preise für Trockenfrüchte, die an den Ständen ausgewiesen sind, kommen mir kaum günstiger vor als bei uns (beispielsweise 150DH für 1kg Aprikosen). Unser Führer in der Kasbah in Ouarzazate hatte erzählt, dass er als Statist im Film zur Zeit 250DH + Essen pro Tag verdient und nannte das angemessen……

Freitag Vormittag besuchen wir die Medersa Ben Youssef, ein sehr eindrucksvoller Bau, der uns mit den Fliesen und den Stuckarbeiten sehr an Granada und Sevilla erinnert. Nachmittags sind wir Richtung südliche Medina – Mellah unterwegs. Hier werden gerade zahlreiche Bauten renoviert, insgesamt wirkt es hier nicht so „aufgeräumt“.

 

Samstag Morgen fährt uns unser Riadbesitzer zum Flughafen. Zum Abschluss sorgen wir noch für etwas Spannung, weil wir die Boardingtime verpassen…..wir stellen uns bei einem ½ Stunde später ebenfalls nach Madrid fliegenden Flugzeug an, wir werden ausgerufen, verstehen unsere Namen aber nicht …..na ja, um 13.15 sind wir dann über das Rollfeld zu unserem Flugzeug gespurtet ;-).

Resümee:

Wir sind froh, dass wir uns für eine geführte Reise durch Marokko entschieden haben. Während der Fahrten haben wir uns bei Conny und Tarik bestens aufgehoben gefühlt, auch die langen Reisestrecken bewältigt Tarik mühelos. Wir haben das Gefühl, dass Beide stets bemüht sind uns das „besondere“ Marokko nahe zu bringen. Da wir uns um keinerlei praktische Dinge kümmern müssen, können wir uns ganz darauf konzentrieren die vielfältigen Eindrücke zu genießen und merken auch im Nachhinein noch, wie nachhaltig diese Reise für uns ist……also noch einmal ein großes „Dankeschön“.

4 thoughts on “Reisetagebuch der Rundreise vom September 2016 mit Barbara und Walter

  1. Ihr Lieben, wir danken euch für diesen schönen und ausführlichen Bericht. Nach diesen harmonischen Tagen mit euch schwang beim Abschied in Marrakesch doch etwas Wehmut mit. Es fühlte sich kurz ein bisschen einsam an, es fehlte was. Nach 16 Tagen intensivem Zusammensein ja auch kein Wunder.

    Wir haben dann ja auch noch einige spannende Tage gehabt, mit überschwemmtem Flussbett, so dass wir nicht weiter fahren konnten und einer Übernachtung in einer ganz spartanischen Fischerhöhle am Atlantik.

    Es war ein sehr schöner Aufenthalt in Marokko für uns und nun freuen wir uns über eure Einladung und den Besuch bei euch im Januar 2017. Schön, dass wir uns kennen gelernt haben.
    Tarik und Conny

  2. Hallo,

    ein faszinierender Reisebericht!
    Wir durften bei einer ähnlichen Reise mit Tarik, im Januar 2016, ebenso tolle Tage in Marokko erleben.
    Marokko ist ganz einfach mindestens eine Reise wert.
    Viele Grüße
    Bernd

    1. Ach … eine Frage hab‘ ich an Barbara und Walter.

      Mit welchem Tool habt ihr die tolle Karte mit dem Reiseverlauf generiert?

      1. Hallo Bernd,
        es freut uns, dass dir der Reisebericht gefällt. Die Karte habe ich mit Adobe Illustrator gestaltet, ein Vektorgrafikprogramm. Ich bin von Beruf Kartograph und habe die Karte selbst erzeugt.
        Viele Grüße Walter

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