Reisetagebuch der Rundreise vom September 2016 mit Barbara und Walter

10.09. – 12.09. Essaouira

Wir starten in Frankfurt und fliegen über Madrid nach Marrakesch, wo wir pünktlich landen. Unterwegs haben wir eine schöne Sicht auf Gibraltar und bekommen einen ersten Eindruck von dem „roten“ Land Marokko.

Wir wollen von Marrakesch nach Essaouira fahren, dort uns einige Tage auf Marokko einstimmen und dann am 13.09. unsere Rundreise beginnen. Schon im Vorfeld bekommen wir von Tarik Tipps für unseren Aufenthalt.

Den Plan die Strecke von Marrakesch nach Essaouira per Bus zu bewältigen können wir nicht umsetzen, Supratours hat keinen Platz mehr frei, deshalb nehmen wir kurz entschlossen ein Taxi, das uns in Essaouira am Bab Doukhala absetzt. Nach einer kurzen Verschnaufpause – wir essen unseren ersten marokkanischen Pfannkuchen – machen wir uns auf den Weg durch die für Autos gesperrte Medina und finden – durch eine Baustelle etwas in die Irre geleitet – mit Hilfe zweier Einheimischer schnell zu unserem Riad „O Gré du Vent“. Für die Taxifahrt bezahlen wir 650DH, laut unserer Riadbesitzerin ein normaler Preis und im Vergleich zu den 200DH, die wir für das kurze Stück vom Flughafen bis zum Hauptbahnhof in Marrakesch bezahlt haben, geradezu günstig.

Essaouira ist eine Mischung von Ursprünglichkeit – besonders im Souk und den umliegenden Gassen und dem Hafen – und touristischem Leben. Wir haben das Glück, dass während unseres Aufenthaltes dort das Opferfest gefeiert wird, mit der höchste muslimische Feiertag. Tarik und auch unsere Riadbesitzer haben uns auf die Schlachtung von Schafen vorbereitet, deshalb sind wir nicht erstaunt über die vielen Schafe, die in den Handkarren durch die Straßen transportiert werden und die Blutflecken, die man vereinzelt sieht. Montags werden auf den Straßen die Schafsköpfe auf großen Grillrosten über Kohlefeuern geröstet, auch das kommt uns nicht mehr so befremdlich vor.

Wir essen unsere ersten Tajines, trinken den sehr starken …. und süßen …. Grüntee, meist mit Minze, einmal trinke ich ihn mit Ingwer, was auch lecker ist.

Wir besuchen auch den Strand, der breit und sehr weitläufig ist. Leider ist die Uferpromenade im Bau, was dem Strandleben viel von seinem Flair nimmt.

Montag Abend lernen wir dann Tarik kennen. Gemeinsam bewundern wir im Hafen den Sonnenuntergang und gehen essen – unsere erste Pastilla – mit Hähnchen und Mandeln gefüllt, mit Zimt gewürzt und sehr lecker. Anschließend begleitet Tarik uns zu unserem Riad, wo er uns am nächsten Morgen dann abholen will. Schon nach dem ersten gemeinsamen Abend haben wir das Gefühl, dass wir es mit Tarik 2 Wochen lang aushalten können 😉

Mit unserer Unterkunft sind wir ebenfalls zufrieden: Zimmer und Bad eher einfach, aber zweckmäßig, ein ausgesprochen schön angerichtetes marokkanisches Frühstück – Pfannkuchen, Brot, Honig, Marmelade und Amlou (Mandelmus mit Arganöl und Honig), Obst und selbstgemachten Joghurt – in dem sehr gemütlichen überdachten Innenhof, eine Dachterrasse mit herrlicher Aussicht über die Medina und das Meer und Besitzer, die für alle Fragen offen sind.

Sonnenuntergang
Blick von unserer Dachterasse
Der Mützenmann
Abendessen mit Tarik

13.09. Agadir

Wir starten pünktlich. Die Strecke bis Agadir führt durch das Gebiert der Arganbäume, die weltweit nur hier wachsen. Bei einigen Zwischenstopps schauen wir uns die Bäume genauer an, wir sehen die berühmten Ziegen, die sich nach den Blättern recken und dafür sogar in die Bäume klettern. Wir machen einen kurzen Halt in einer Arganöl-Kooperative, wo man uns zeigt, wie die Früchte geschält werden – die Schalen werden als Viehfutter genutzt – ,dann die harte Innenschale geknackt wird , sie dient als Brennmaterial und der etwa sonnenblumengroße Kern in den speziellen Steinmühlen gemahlen wird. Für kosmetische Zwecke verwendet man den frischen Kern, für Speiseöl wird der Kern noch geröstet. Wir kaufen eine Flasche Speiseöl (250ml für 170DH) und freuen uns an dem sehr leckeren nussigen Geschmack.

Mittagsimbiss (Arganöl, Olivenöl, Honig, in die wir Brot tauchen, dazu Oliven) nehmen wir in einem Restaurant mit Blick auf ein ganzes Tal ausfüllende Bananenplantagen, die Bananen sind relativ klein und werden auf dem lokalen Markt angeboten. Hier fragen wir zum ersten Mal nach WLan, um Nachrichten abrufen zu können, ein Ritus, der uns die kommenden 2 Wochen begleiten wird.

Vor Agadir machen wir einen Abstecher zum Paradise Valley mit kurzer Wanderung. Leider führt der Fluss nur wenig Wasser, deswegen ist der Anblick nicht ganz so spektakulär, die Wanderung trotzdem sehr schön, für uns besonders deshalb, weil es uns an ein sehr ähnlich aussehendes Tal mit gleichem Namen in Brasilien erinnert.

Auf der Weiterfahrt treffen wir Conny, die uns die kommenden 2 Wochen begleiten wird. In Agadir fahren wir direkt auf die Kasbah, die wie die ganze Stadt bei einem Erdbeben 1960 weitgehend zerstört wurde und genießen den Blick über die Bucht.

Wir wohnen im Hotel Anise – in einem riesigen Appartement – und essen auch dort zu Abend. Zum Nachtisch machen Conny und Tarik uns mit den berühmten „Schnittchen“ bekannt, kleine Kuchenstücke, die es in unendlicher Auswahl gibt.

Küstenstraße nach Agadir
Im Paradise Valley

14.09. – 16.09. Oumesnat

Nach einem üppigen Frühstück und einem Strandspaziergang brechen wir gegen 12.00 auf Richtung Oumesnat. Unterwegs haben wir immer wieder tolle Ausblicke – an einem Steinfeld mit Arganbäumen und Blick auf die Berge des Anti-Atlas und an der Kasbah Tizourgane legen wir Fotostopps ein. Die Kasbah liegt auf einem Hügel, sie ist bewohnt. Leider reagiert niemand auf unser Klopfen, aber auch von außen ist die Anlage sehenswert.

Auf dem Weg nach Oumesnate
Kasbah Tizourgane

Gegen 16.00 erreichen wir Oumesnat, vom Parkplatz bis zu unserer Unterkunft, dem „Maison traditionelle“ müssen wir einige 100m zu Fuß gehen. Rashid, der Besitzer des Hotels, holt uns am Parkplatz ab. Unser Zimmer ist einfach eingerichtet, der Ausblick – besonders von der Terrasse aus – genial. Nach einem Tee machen Walter und ich einen ersten Spaziergang durch den alten Ortsteil bis zur Moschee. Die meisten Häuser sind hier unbewohnt und im Verfall begriffen. Das Nebeneinander von bewohnten Häusern und Ruinen, das wir hier überall sehen, ist für uns sehr ungewohnt.

Unsere Mahlzeiten werden auf der Terrasse serviert, wir essen nicht à la carte sondern bekommen alle dasselbe Essen serviert, am ersten Abend eine kalte Apfel-Bananen-Karottensuppe bestreut mit Zimt, dann Hähnchen mit Zwiebeln und Rosinen, begraben unter einem Berg kleiner Nudeln, bestreut mit Zucker und Zimt, zum Abschluss Obst und einen Tee aus Eisenkraut.

Am nächsten Morgen gegen 7.30 beobachten wir im ausgetrockneten Flussbett unterhalb des Hauses Wildschweine, wir bemerken sie, weil die Hunde anschlagen.

Die Moschee von Oumesnate
weiß abgesetzt – unsere Unterkunft

 

 

Nach einem gemütlichen Frühstück – hier gibt es das Berberfrühstück mit Arganöl, Marmelade und Amlou – brechen wir gegen 10.00 auf zum „Gorges Ait Mansour“, kurz hinter Oumesnat fahren wir am „Tête de Lion“ vorbei, einer besonderen Steinformation, die wir wegen des dafür ungünstigen Sonnenstandes nicht gut erkennen können und machen wenig später am „Chapeau de Napoléon“ einen ersten Fotostopp. Auf der Weiterfahrt öffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf die in den Berghängen liegenden Ammeln-Dörfer. Am Ziel angekommen bummeln wir ein Stück durch die eindrucksvolle Schlucht, teilen uns zu Mittag ein „Tajine-Omellett“

Chapeau Napoleon
Gorges Ait Mansour

 

Nächste Station sind die Blauen Steine des belgischen Künstlers Jean Vérame. Die Idee die Steinformationen so weitläufig zu bemalen ist schon etwas verrückt, wir fotografieren ausgiebig und denken am Ende, dass durch die Bemalung in besonderer Weise auf die schönen Steinformationen aufmerksam gemacht wird.

Auf dem Rückweg fahren wir nach Tafraoute, hier kaufen wir uns eine kleine Teekanne.

 

Am nächsten Tag besuchen wir vormittags das „Maison traditionelle“, das ehemalige Wohnhaus der Familie, das heute ein Museum ist. Mohammed, der jüngere Bruder von Rashid, führt uns durch die ehemaligen Wohnräume, zeigt uns die alten Möbel und Gerätschaften und erklärt uns deren Funktion.

Im Obergeschoss, der Etage, die traditionell den Gästen vorbehalten ist, treffen wir auf den Vater der Beiden, einen über 90 Jahre alten Herrn, der in diesem Haus geboren wurde, jetzt aber im Dorf lebt. Er ist seit einem Unfall erblindet, bewegt sich jedoch sehr sicher in den Räumen, bereitet für uns – unter Mithilfe von Mohammed – einen traditionellen Tee zu und erklärt dabei diesen Brauch – überwiegend in ausgezeichnetem Deutsch, gibt Episoden aus seinem Leben zum Besten, führt dann an mir die traditionelle Frauenbekleidung vor – ein schwarzes Tuch mit buntem Saum, das ähnlich einem Sari gewickelt wird und singt zum Abschluss 2 Lieder, die er mit Banjo begleitet. Er beeindruckt uns sehr durch die Würde und Zufriedenheit, die er ausstrahlt.

Ein Teil der alten Küche. Hier wurde Getreide gemahlen
In der guten Stube

Gegen 12.00 starten wir zum Agadir Tasguent. In einem Dorf unterhalb des Agadir besuchen wir Hassan und seine Familie. Die anfängliche Zurückhaltung legt sich schnell, Hassan bereitet Tee für uns zu, anschließend essen wir – alle an einem runden Tisch aus einer Tajine – Lamm mit Pflaumen und Kartoffeln. Anschließend besichtigen wir den Agadir, eine Speicherburg mit 200 Räumen, in denen die Bauern der Umgebung ihre Vorräte gelagert haben. Wir sehen schön bemalte Holztüren, statt Leitern ragen aus den Mauern Steinplatten, über die man die oberen Etagen erreichen kann. Hier serviert man uns mal keinen Tee sondern Kaffee, zum Abschluss genießen wir von der „Terrasse“ aus den grandiosen Blick in das Tal.

Am Abend wartet noch eine besondere Überraschung auf uns. Nach dem Abendessen – Tajine „Kefta des Oeufs“, wieder sehr lecker, spielen Mohammed, Rashid und 2 Freunde für uns Berbermusik, ein Mann aus einer französ. Reisegruppe trägt einige Chansons vor …. wir fühlen uns an „Dersert inspiration“ von Lulo Reinhardt erinnert und genießen bis gegen 23.00 diesen wunderschönen Abend.

Zu Fuß zum Agadir hoch
Berbermusik mit Rachid, Mohamed und zwei Freunden

17.09. –19.09. Tamnougalte

Wir brechen nach einem schnellen Frühstück kurz nach 8.00 auf, weil wir heute eine lange Wegstrecke vor uns haben (ca. 400km). Für uns ist das kein Problem, die vielen, immer wieder neuen Eindrücke, die uns die Landschaft bietet, lassen keine Langeweile aufkommen. Bei einem Stopp in Tazenakht kaufen wir Safran ein (25DH/gr).

Unterwegs passieren wir ein Tal, in dem eine Reihe Steinbrücken durch starke Regenfälle zerstört sind, der Boden ist noch feucht, auf holprigen Fahrspuren neben den Brücken kommen wir ein Stück weit nur langsam voran. Gegen 18.00 erreichen wir schließlich die Kasbah Itrane in Tamnougalte, in der wieder ein schönes Zimmer auf uns wartet und leckere Mahlzeiten, die wir fast immer auf der Terrasse neben dem Pool einnehmen.

Sonntag Vormittag steht der Besuch der Kasbah Tamnougalte auf dem Programm. Hisham, ein Freund Tariks, zeigte uns in einer ausführlichen Führung die zugänglichen Räume und lädt uns auf die Dachterrasse zu einem Tee ein. Von den hier lebenden 20 Familien sieht man kaum jemanden. Bei dem anschließenden Rundgang durch den Garten versorgt Hisham uns mit frischen Datteln, die wir mittlerweile sehr gerne essen.

Dann geht es weiter zu einem nahe gelegenen Dorf mit schöner Aussicht auf den Draa, der gerade nur wenig Wasser führt.

Unsere Hotelterrasse
In der Kasbah Tamnougalte

Durch die Hotelbesitzerin erfährt Tarik, dass im Dorf eine Hochzeit stattfinden soll, wir erleben den von einer fröhlich aufspielenden Musikergruppe begleiteten Zug der Bewohner – überwiegend Frauen und Kinder – zum Haus des Bräutigams, vor dem eine große Gruppe weiß gekleideter Männer wartet. Wenn wir das richtig verstanden haben, sollte hier eine rituelle Henna-Bemalung des Bräutigams stattfinden.

Am nächsten Tag besuchen wir die Felsmalereien von Tizouline, die frei zugänglich sind. Unterwegs kaufen wir uns in einem Souk eine einfache braune Tajine, wie sie hier überall benutzt wird (25DH). In der kargen Landschaft hatte Hisham für uns einen schönen Platz für ein Picknick ausgesucht und lädt uns ein zu Tee, Nüssen, Oliven, marokkanischem Salat und Fleischspießen. Wegen eines kleinen Missgeschicks – als Hisham das Grillfeuer anzünden will, stellt sich heraus, das alles da ist, nur kein Feuerzeug ;-)……zieht sich unser Picknick in die Länge. Am Ende haben wir auch noch etwas Pech mit dem Wetter, ein starker Wind kommt auf und es fällt etwas Regen, deshalb gibt es den Nachtisch in einer Halle des Hauses, in dem der Wärter der Felsmalereien wohnt. Wegen des ungemütlichen Wetters verzichten wir auch auf den eigentlich geplanten Spaziergang weiter ins Tal hinein.

Prähistorische Felsmalereien

20.09. –21.09. Merzouga

Unser nächster Reisetag führt uns 300km weiter nach Merzouga. In Alnif machen wir den ersten Stopp und schauen uns das Angebot eines Fossilienhändlers an. Beim nächsten Halt in Rissani wartet ein besonderes Erlebnis auf uns. Bei einem Gewürzhändler, den Tarik über seinen Bruder vermittelt bekam, kaufen wir sehr günstig Gewürze ein (ca. 1kg für 100DH). Wir werden zum obligatorischen Tee eingeladen, den wir direkt im Verkaufsstand trinken und essen mit Fleisch und Gemüse gefülltes Fladenbrot, das sehr lecker schmeckt, mit insgesamt 400DH jedoch arg überteuert ist.

Unterwegs nach Merzouga – Djebel Saghro
Warten auf das Essen im Gewürzstand

In Merzouga haben Tarik und Conny kurzfristig ein neues Hotel, das Kanz Erremal für uns gebucht. Im ursprünglich vorgesehenen „Petit Prince“ wurde ein Stellplatz für Wohnmobile eingerichtet, was den Ausblick auf die Wüste etwas beeinträchtigt. Das „Kanz Erremal“ steht direkt am Rande der Dünen und bietet von seinen Terrassen einen direkten Ausblick auf die beeindruckende Wüstenlandschaft. Von der Terrasse vor unserem Zimmer beobachten wir einen wunderbaren Mondaufgang.

Am nächsten Tag sind wir nur zu dritt unterwegs, Conny ist nicht ganz fit und bleibt im Hotel. Wir fahren durch den Ort zu einer Stelle, wo man „Rheumabäder“ in warmen Wüstensand nehmen kann, treffen auf einen Kameltreiber, der frische Kamelmilch anbietet, sie ist sehr schaumig, es sieht fast aus wie Eischnee, Walter und Tarik teilen sich ein Glas Milch, Walter findet sie lecker. Anschließend geht es weiter durch die karge Steinlandschaft Richtung algerische Grenze. In einem Dorf sucht Tarik für uns jemanden, der uns den traditionellen Tee zubereiten kann. Hier gibt es kein Cafe, das geöffnet hat, aber es findet sich jemand, der uns in sein etwas außerhalb gelegenes Privathaus zum Tee einlädt und uns anschließend noch zu einem Ort führt, wo man Felsgravuren sehen kann und Tumuli, niedrige Steinbehausungen, deren Alter und Funktion nicht ganz zu klären sind.

Für abends haben wir einen kurzen „Sonnenuntergangs-Kamelritt“ gebucht. Leider ist es bewölkt, erst kurz bevor die Sonne verschwindet, zeigt sich der rote Himmel, gerade ausreichend für einige romantische Fotos. Das Reiten auf dem Dromedar hat Spaß gemacht und war auf alle Fälle entspannender als das für uns sehr anstrengende Stapfen durch den Sand.

Die Terrasse des Hotels mit Blick auf die Sanddünen

 

22.09. –23.09. Dades-Tal

Wir fahren ins Dades-Tal, Ziel ist die Auberge „Jardin de la Source“ in Ait Ali. Unterwegs machen wir einen Abstecher ins Todrha-Tal, die Schlucht ist recht spektakulär, allerdings hat der Abstecher durchaus gereicht. Vorher gibt es ein gemütliches Mittagessen in einem Zelt auf der Dachterrasse eines Restaurants.

Der Empfang im „Jardin de la Source“ ist sehr herzlich. Tarik und Conny haben den Besitzer Hussein vor einigen Jahren kennen gelernt. Wir wohnen in einem Appartement mit rundem Himmelbett und eigenem Balkon, den wir allerdings nicht genutzt haben, weil der schön angelegte Garten mit seinen diversen Sitzecken viel zu einladend ist. Frühstück und Abendessen sind bei Hussein lecker und ausgesprochen üppig.

Nachdem wir uns erfrischt haben, machen wir einen ersten Spaziergang durch die am Hang liegenden Gärten hinunter ins Tal zu einem kleinen Wasserfall.

Am nächsten Tag wollen wir in Begleitung von Hussein einen Spaziergang durch das Tal machen. Beim Abstieg ist Walter gestürzt und hat sich den rechten Fuß verstaucht. Wir sind dann noch hinunter bis zum Fluss gegangen, dann aber auf kürzestem Weg zurück in die Auberge. Im alten Dorf haben wir eine Weile auf dem „Beratungsplatz“ gesessen, ein schattiger Platz in einer Gasse mit Steinbänken auf beiden Seiten, wo man sich früher zum Gespräch getroffen hat. Dort begegneten wir Halima, die uns zu einem Tee in ihr nahe gelegenes Haus einlädt. Die Einladung zum Couscous, der traditionell Freitag Mittag gegessen wird, konnten wir leider wegen Walters schmerzendem Fuß nicht annehmen.

Nachmittags fahre ich dann mit Tarik und Conny ins Dades-Tal, erst durch die beeindruckende Schlucht mit den berühmten Serpentinen, dann weiter durch ein fruchtbares grünes Tal, gesäumt von immer wieder anders „aufgefalteten“ Felsformationen bis nach Msemrir. Walter wird unterdessen von Hussein bestens versorgt, einschließlich Fußbad mit Salz.

Im Garten der Auberge

 

24.09. – 25.09. Oase Fint

Wir brechen gegen 10.00 auf, es geht erst noch einmal hinauf ins Dades-Tal. Tarik hat Walter angeboten, noch einmal bis zu den Serpentinen zu fahren, worüber der sich sehr freut. So kann auch er von dem Aussichtspunkt oberhalb der Serpentinen den gigantischen Blick ins Tal genießen. Dann geht es zurück und weiter durch das Dades-Tal bis Ouarzazate. Unterwegs durchqueren wir ein Rosenanbaugebiet und kaufen in El Kelâa Rosenwasser ein. Am frühen Nachmittag kommen wir in Ouarzazate an und lernen das „Habous“ kennen, das Lieblingscafé von Conny und Tarik. Wir essen eine Kleinigkeit und gönnen uns zum Abschluss einen süßen Nachtisch, eines der von Conny heiß geliebten „Schnittchen“. Dann geht es weiter in westlicher Richtung zur ca. 10km entfernten Oase Fint. Am Stadtrand passieren wir ein offensichtlich als Baugebiet vorgesehenes Areal, in dem – für uns sehr ungewohnt – keinerlei Gebäude stehen, die Straßen und die Straßenbeleuchtung jedoch komplett fertiggestellt sind.

Unsere Unterkunft „La Terrasse des Délices“ liegt am Ortsrand – schön angelegte Gebäude, die Zimmer klein und einfach ausgestattet, eine tolle Terrasse mit blau gekacheltem Pool – rundum Steine, Sand, Palmen, ein Fluss mit wenig Wasser.

 

Nach einem erfrischenden Bad im Pool machen wir einen Spaziergang zum Fluss. Das Abendessen wird unter dem klaren Sternenhimmel auf der Terrasse serviert – Hähnchen-Tajine, wieder sehr lecker. Später gibt es Trommelmusik. Walter „durfte“ mit trommeln und hat sich gar nicht so schlecht geschlagen.

Am nächsten Vormittag besuchen wir die Kasbah Taourirt in Ouarzazate. Tarik kennt auch hier einen perfekt deutsch sprechenden Führer, der uns einen ausführlichen und dennoch kurzweiligen Rundgang durch die Kasbah bietet. Auf den anschließend vorgesehenen Besuch des Filmmuseums verzichten wir, Walter hätte wegen seines Fußes nicht mitgehen können und mir fehlt das Interesse hierfür. Stattdessen gönnen wir uns einen ausgedehnten Besuch im „Habous“ mit bekanntem Ablauf 😉

UNESCO Weltkulturerbe Kasbah Taourirt

 

26.09. – 27.09. Domaine Caro

Wir brechen etwas zeitiger auf (gegen 8.30), weil heute wieder ein größeres Programm auf uns wartet. Wir fahren das kurze Stück bis Ait Benhaddou, wo wir Andi kennen lernen, einen hier lebenden Österreicher. Ich mache mit Tarik und Abdoul ( dem „Schakal“) einen 2-stündigen Spaziergang durch den malerisch auf einem Hügel liegenden Ksar, der seine Popularität den zahlreichen hier gedrehten Filmen verdankt. Der „Schakal“ ist über 90 Jahre alt, spricht gut deutsch und erinnert in seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung sehr an das Familienoberhaupt im Maison traditionelle.

Tarik und Abdoul

 

Dann geht es weiter über Telouèt und den Hohen Atlas zum Ourika-Tal. Die Strecke bis Telouèt ist so, dass man eigentlich an jeder Straßenbiegung einen Fotostopp hätte einlegen können – ein enges Tal mit verstreut liegenden Siedlungen. Hinter Telouèt hat Tarik in einem ausgetrockneten Bachbett Salz geschlagen; dann ging es über den Pass, dank mittlerweile gut ausgebauter Straßen kommen wir schneller als gedacht voran und sind gegen 18.30 in der Domaine Caro. Alle sind sich einig, dass die Wegstrecke heute ein landschaftlicher Höhepunkt war, nicht weniger beindruckend als das sehr schöne Dades-Tal.

Tarik erntet Salz
Telouet

 

Ursprünglich hatten wir uns etwas gewundert, dass wir 25km außerhalb von Marrakesch wohnen, nachdem wir die Domaine Caro und ihre Besitzer Saida und Jean-Michel kennengelernt haben, wundern wir uns nicht mehr. Wir fühlen uns von Anfang an wie zuhause, freuen uns über unser schönes, direkt an der überdachten Terrasse liegendes Zimmer, sitzen im herrlich angelegten Garten unter Olivenbäumen und meterhohen Hibiskussträuchern, genießen das sehr leckere Essen und den aufmerksamen Service auf der Terrasse..

Unser letzter gemeinsamer Ausflug führt uns am nächsten Tag ins Ourika-Tal, es ist ein Naherholungsgebiet für die Marrakchis, der Einwohner von Marrakesch, erst zahlreiche Potterien, dann Restaurant an Restaurant mit Stühlen und „Couchlandschaften“ am und im Wasser, inmitten einer schönen Bergkulisse.

Wir kaufen noch einige Kleinigkeiten ein, u.a. Teegläser und freuen uns, als wir abends feststellen, dass in der Domaine Caro die gleichen Gläser benutzt werden.

Im Ourika Tal
Domain Caro

28.09. – 01.10. Marrakesch

Nach dem Frühstück bringen Conny und Tarik uns nach Marrakesch zu unserem Riad „Mirage“, das ganz in der Nähe des „el Fna“ liegt. Wir beziehen ein kleines geschmackvoll eingerichtetes Zimmer, in dem wir uns sehr wohl fühlen. Nach dem Einchecken und einem letzten gemeinsamen Tee nehmen wir – etwas wehmütig – Abschied. Conny und Tarik fahren zurück in den Süden und wir machen uns auf Marrakesch zu erkunden. Im Cyber-Park finden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, deswegen halten wir uns dort nicht lange auf. Wir bummeln durch die Souks rund um den „Djeema el Fna“ und beobachten eine Weile von der Terrasse des „La France“ das Treiben auf dem Platz. Die Medina erscheint uns sehr sauber, in den Souks werden die Straßen mit Wasser bespritzt um den Staub zu bannen, oft sieht man Leute beim Kehren, das gilt auch für den „el Fna“, wo abends riesige „Staubsauger“ die Abfälle einsammeln. Das Essensangebot auf dem Platz hat uns etwas erschlagen, deshalb ziehen wir die Restaurants in den Seitengassen vor. Immerhin trinken wir den frisch ausgepressten Orangensaft, der nur 4DH kostet, Conny hat erzählt, dass der Saft subventioniert wird.

 

Am nächsten Tag nehmen wir eine Taxe zum Jardin Majorelle und tauchen für gute 2 Stunden in die verzauberte Stimmung dieses schönen Gartens ein. Nachmittags finden wir dann, dank des guten Stadtplans in unserem Reiseführer und der Mithilfe einiger Passanten das Restaurant „Dar Cherifa“, ein aufwendig renoviertes Riad in der Medina. Es gefällt uns so gut, dass wir für abends einen Tisch reservieren und dann in ausgesucht schöner Atmosphäre lecker essen, je eine Pastilla – Walter mit Meeresfrüchten, ich mit Huhn (460DH mit Getränken und Nachtisch).

 

Insgesamt erscheint das Leben hier recht teuer, die Preise für Trockenfrüchte, die an den Ständen ausgewiesen sind, kommen mir kaum günstiger vor als bei uns (beispielsweise 150DH für 1kg Aprikosen). Unser Führer in der Kasbah in Ouarzazate hatte erzählt, dass er als Statist im Film zur Zeit 250DH + Essen pro Tag verdient und nannte das angemessen……

Freitag Vormittag besuchen wir die Medersa Ben Youssef, ein sehr eindrucksvoller Bau, der uns mit den Fliesen und den Stuckarbeiten sehr an Granada und Sevilla erinnert. Nachmittags sind wir Richtung südliche Medina – Mellah unterwegs. Hier werden gerade zahlreiche Bauten renoviert, insgesamt wirkt es hier nicht so „aufgeräumt“.

 

Samstag Morgen fährt uns unser Riadbesitzer zum Flughafen. Zum Abschluss sorgen wir noch für etwas Spannung, weil wir die Boardingtime verpassen…..wir stellen uns bei einem ½ Stunde später ebenfalls nach Madrid fliegenden Flugzeug an, wir werden ausgerufen, verstehen unsere Namen aber nicht …..na ja, um 13.15 sind wir dann über das Rollfeld zu unserem Flugzeug gespurtet ;-).

Resümee:

Wir sind froh, dass wir uns für eine geführte Reise durch Marokko entschieden haben. Während der Fahrten haben wir uns bei Conny und Tarik bestens aufgehoben gefühlt, auch die langen Reisestrecken bewältigt Tarik mühelos. Wir haben das Gefühl, dass Beide stets bemüht sind uns das „besondere“ Marokko nahe zu bringen. Da wir uns um keinerlei praktische Dinge kümmern müssen, können wir uns ganz darauf konzentrieren die vielfältigen Eindrücke zu genießen und merken auch im Nachhinein noch, wie nachhaltig diese Reise für uns ist……also noch einmal ein großes „Dankeschön“.

2015 Marokko Tagebuch von Enno und Elke

Vorwort Um es vorwegzunehmen. Wir wissen nicht, was auf uns den größten Eindruck gemacht hat. Waren es die Zelte, in denen wir Tee getrunken haben und uns lange in den gemütlichen Kissen und Teppichen wohlgefühlt haben? Waren es die allgegenwärtigen Zeichen der aktiven Religionsausübung? Die überall an Felsen, Wänden, Häusern angebrachten Schriftzeichen „Allah ist groß“, war es der überall zu hörende Ruf aus den Moscheen? War es die herzliche Freundlichkeit der Leute, bei denen wir gewohnt haben? War es die unwirkliche Zurückgezogenheit des Dorfes Oumnesnate mit seiner tiefschwarzen Nacht und dieser absoluten Stille? War es der Holperweg, der nur mit Taschenlampen   zu begehen war? Vielleicht waren es auch die ersten Eindrücke von den Souks mit ihrem bunten Warenangebot, den sorgsam aufgetürmten Gewürzhaufen, den so ganz anders gekleideten Menschen und ihre Abneigung, fotografiert zu werden. Oder die vielen Katzen? Die Farben der Teppiche und Bilder, aber auch die immer wechselnden Farben in der Natur? Schwer zu sagen. Deshalb hier ein Bericht unserer Tour durch das wunderschöne Marokko. Vielleicht erklärt er ein wenig von der Faszination dieses für uns so schönen und freundlichen Landes.    
FR 12. Juni Von Quickborn nach Marrakesch 4 Flugstunden
10.45 Elke und Enno fahren zum Flughafen. Petra ist schon gestern aus Kiel nach Quickborn gekommen. Amelie werden wir am Flughafen treffen, Conny und Tarik, unsere Reiseorganisatoren sind bereits in Marokko, sie werden uns am Flughafen abholen. 13.35 h geht der Direktflug Hamburg-Marrakesch.
16.50 Landung in Marrakesch. 1 Stunde Uhr zurückstellen wegen der Zeitverschiebung. Tarik und Conny stehen schon mit dem 9-Sitzer-Peugeot am Flughafen bereit und fahren mit uns nach Essaouira am Atlantik, ca. 2 ½ Stunden Fahrt. Zunächst durch die Stadt Marrakesch mit erstem Eindruck vom Autogewimmel, Dromedaren am Straßenrand, Motorädern und Mopeds. Alles ziemlich wuselig.Auf der Fahrt kommen wir durch kleine, sehr ursprünglich aussehende Dörfer. Wir sehen verschleierte Frauen, mal ganz, mal halb, Leute auf Eseln mit schnellem Trippelschritt, Polizisten halten uns mehrfach an, prüfen, ob wir angeschnallt sind und winken uns dann gnädig durch. Die tief hängenden Wolken stehen in starkem Kontrast zu den gelb-braunen Feldern, die wiederum mit schwarzgrünen Olivenbäumen bestanden sind. Argan- und Olivenbäume, dazwischen auch mal Bananen. Auf der Straße hochbepackte Kleinlaster mit Zwiebeln, Landarbeiter auf ihren Eseln, Menschen, die am Straßenrand hocken und auf ihre Mitfahrgelegenheit warten. Der Himmel ist etwas bedeckt, die Temperatur so bei 25 Grad.Pause im Al Kasbah in Chichaoua im Hof einer einfachen Taverne mit leckerem marokkanischen Salat und unserer ersten Tajine, diesem uns nun die nächsten 14 Tage begleitenden Wundereintopf mit immer anderen tollen Zusammenstellungen.  Nach einer Stunde Weiterfahrt. Die Landschaft verändert sich im abendlichen Licht ständig und wir genießen dieses Schauspiel. Allein auf dieser Strecke ließe sich ein schöner Fotoband über die Farben der Landschaft erstellen.3 Tajine
22.00 Ankunft in Essaouira. Moderne, neue Strandpromenade. Parken vor dem Tor zur Medina, der Innen- oder Altstadt. Ein Kofferträger lädt unsere Koffer auf einen Handkarren und schiebt sie durch die vollen Gassen der Altstadt zum Riad „Maison du Sud“ in der Medina, einem großen alten Hotel mit zwei kleinen Innenhöfen und den direkt um diese Innenhöfe angelegten Zimmern, jeweils mit einem Wohnzimmer, Bad und einem oben gelegenen Schlafplatz. Farbenfroh dekoriert und ganz in marrokanischem Stil gestaltet. Sehr schön anzusehen.Koffer reinstellen und gleich los zum ersten Abendbummel. Kleiner Kaffee mit Keksen auf dem Marktplatz. Der erste sonor und klangvoll vorgetragene Ruf des Muezzin, der zum Besuch der Moschee aufruft. Hier auch die erste Begegnung mit den Bettlern, die uns von nun an ständig begleiten und die Tarik freundlich, aber bestimmt etwas auf Abstand hält. 23 Uhr, genug für den ersten Tag.4 Maison Sud
SA 13. Juni Essaouira 2. Tag
08.30 Frühstück mit Kaffee und Fladenbrot, Honig, Marmelade und einer Argan-Nusscreme, Amlou genannt. Ein wenig ungewohnt für uns, die wir immer auch morgens gern Wurst und Käse oder etwas Herzhaftes essen, aber dieses Frühstück wird uns fast durchgehend begleiten. Highlight jeden Morgen ist der frisch gepresste Orangensaft.
10.00 Gang durch die Stadt zur Stadtmauer mit schönem Blick auf das Meer. Vorbei an vielen Handwerkergeschäften, die gerade öffnen: magische Holzkisten mit versteckten Schlüsseln und andere Holzarbeiten aus Thujaholz gibt es zu bewundern, Dominosteine mit Steinen aus Perlmutt, wirklich schöne Bilder und Zeichnung und viele Dinge, die man unbedingt braucht. Auf der Mauer mit den alten Kanonen haben wir einen herrlichem Blick auf das Meer und die vorlagerte ehemalige Gefängnisinsel, heute Naturschutzgebiet. Weiter geht es zur Festung am Hafen mit wiederum schönem Ausblick auf das Meer und auf die Stadt selber, die weiße Stadt, wie sie auch genannt wird. Wir finden, zu Recht. Dann der Hafen mit den Fischerbooten in knallblauer Farbe. Hier wird der Fang vom Tage verkauft und genau gegenüber auf der Mauer stehen die Fischzubereiter, um den Fisch zu putzen und zu filetieren. Das lockt Katzen und Möwen an und wir Touristen kommen zu tollen Fotos. Kleiner Zwischenstopp mit Fischsuppe und Nizzasalat auf der Veranda eines im Marokko-Führer stark gelobten Restaurants. Der Ausblick und die Terrasse waren tatsächlich herrlich.5 Hafen
12.00 Bummel über den Stadtstrand. Badende Jungs, Kite-Surfer, vermummte und verschleierte Frauen mit ihren Kindern knöcheltief im Wasser. Am Ende des Strandes warten Dromedare (bzw. deren Besitzer) auf Reiter. Sehr fotogen, aber reiten wollen wir lieber nicht. Kleiner Kaffee in der Strandbar und dann durch die schmalen Gassen der Medina zurück zum Hotel. Freizeit, Lesen auf der Dachterrasse, Tagebuch schreiben, den Leuten unter auf der Straße beim Ausrufen zuhören.
19.00 Abendessen in der „La Petite Perle“. Noch sehr früh, als einzige Gäste werden wir aufmerksam bedient mit Couscous, Dorade und einer Tajine. Danach leckere Joghurts mit Honig und zum Schluss wieder marokkanischer Minztee. Nach dem Abendessen zurück auf die Stadtmauer, um den Sonnenuntergang zu sehen. Leider sind wir etwas spät dran, aber der Himmel zeigt sich von seiner schönsten Seite. Sonnenuntergang wird verschoben auf morgen.
22.00 Bummel durch den Souk mit seinem für unsere Augen überwältigenden Warenangebot. Gewürze zu kunstvollen Stapeln aufgetürmt, Getreide der verschiedensten Sorte malerisch in großen Säcken angeboten, Reis, Linsen , Kichererbsen, Hirse, rote Bohnen, rote Beete. Große Karren vollgepackt mit Kräutern: Minze, Rosmarin, Koriander. Hier sind die Einheimischen als Käufer in der Überzahl, andere Touristen sehen wir erstaunlich wenig. Die Frauen prüfen die Kräuter fachkundig, bevor sie kaufen. Ein buntes Gewimmel ohne Rempelei. Wir haben den Eindruck, dass die Menschen Berührungen auf jeden Fall vermeiden wollen. Trotz der Enge. Auch hier stehen die Bettler und bekommen zumeist von den Einheimischen hin und wieder ein paar Dirham zugesteckt. Für uns ist die Bettelei ungewohnt und befremdet eher, als dass sie uns zum Geben animiert. Kann sein, das das falsch ist, wir wissen es nicht. Gegen 23 Uhr schließen die Stände nach und nach. Essaouria geht schlafen, wir auch.6 Oliven
SO 14. Juni Sidi Kaouki 3. Tag
0.00 Heute wird die Uhr noch einmal um 1 Stunde zurückgestellt, wegen des bevorstehenden Ramadan, der am wahrscheinlich am 18. Juni beginnt. Tarik und Conny erklären uns dieses „wahrscheinlich“, das damit zusammenhängt, dass man nicht genau vorhersagen kann, an welchem Tag die neue Mondphase beginnt, wann also genau der erste Mensch meldet, dass er die Neumondsichel gesehen hat. Wir bekommen eine erste Idee davon, wie genau es mit den Regeln im Islam zu nehmen ist.
08.30 Vor dem Frühstück schon zwei Schritte vor die Tür. Essaouira erwacht, das Leben auf der Straße beginnt langsam, einige Händler bauen wieder ihre Stände auf, die Ladeneingänge werden mit Palmbesen sorgfältig gefegt. Angestellte gehen verschleiert oder ohne Schleier zu ihren Arbeitsplätzen. Die Sonne ist bereits da und wärmt uns. Ein schönes Bild. Nach dem Frühstück gehen wir zum Tor der Medina wieder hinaus zu unserem Wagen. Auf der engen und hügeligen einspurigen Straße nach Sidi Kaouki wird jeder Gegenverkehr, egal ob Auto, Fahrrad, Moped oder Esel, zu einer spannenden Überlebensfrage: Wer zwingt wen zuerst in die weiche Bankette? Keiner möchte so unmännlich sein, etwa vorausschauend dem Anderen die Vorfahrt geben. Das Spiel scheint sehr beliebt zu sein.
12.00 Am Strand von Sidi Kaouki erwarten uns Liegestühle und Sonnenschirme, eine heiße Mittagssonne, klares kaltes, herrliches Meerwasser inmitten einer Gruppe von Surflehrern, die auf Kunden warten und Dromedare und Reitpferde, die am Strand auf und ab geführt werden, um uns doch noch zu einem Schaukelritt animieren zu können.7 Strand
14.00 Nun noch gemütlich Minztee und leckeres Gebäck am Strand und dann steht die Fahrt mit dem Quad auf dem Programm. Nee, brauchen wir nicht, ist unsere erste Reaktion. Conny überredet uns sanft zu unserem Glück. Das mache richtig Spaß. Also rauf auf die Dinger. Zu bedienen sind sie tatsächlich denkbar einfach und das Tolle ist, es macht auch einen Riesenspaß. In Minikolonne   geht es an der Wasserlinie den Strand entlang und dann plötzlich einen steinigen, felsigen Hügel hinauf. Man denkt, das Quad kippt um, tut es aber nicht, nur bleibt es dummerweise schon mal einfach stehen wie ein Muli, wenn man die nächste Steigung nicht energisch genug angesteuert hat. Egal, der Vermieter fährt ja mit uns und bringt uns wieder auf Kurs. Conny sitzt bei Tarik hinten drauf und filmt unsere Easy-Rider-Tour.8 Quad
15.00 Suche nach Abdul, der am anderen Ende des Strandes eine eigengebaute Strandhütte hat und dort laut Tarik den besten Fisch der südlichen Halbkugel zubereitet. Leider hat ein neues Bauvorhaben Abduls Strandparadies hinweggespült. Vermutlich war es illegal hier und somit nur auf Zeit. Wir können nur noch klägliche Reste der Bebauung erkennen. Schade. Dann also zurück zum Hauptstrand und bei Momo in sehr guter Stimmung Salat und Fischplatte, Cola und Minztee. Wir können es nicht genau sagen, aber gegen Abdul muss er wohl noch etwas nachlegen.
17.00 Zurück nach Essaouira, kleine Pause, entspannen oder nur die tolle Atmosphäre auf den Gassen genießen. Danach wieder Aufbruch zur Stadtmauer, um heute den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Auf der Mauer sind alle guten Fotoplätze schon belegt, aber wir können inzwischen auch schon ein wenig klettern. Die Sonne lässt lange auf sich warten, aber dann verschwindet sie in schönsten Farben hinter einem Wolkenschleier im Meer. Foto, Foto, Foto.
22.00 Noch einmal über den herrlichen Souk von gestern. Es riecht nach all den wundervollen Kräutern und Gewürzen. Manchmal auch nicht so nasenfein. Bunt, laut, quirlig, fachkundig, übervoll und immer bedrängt von den Händlern, die hier aber noch recht schnell aufgeben und bei ihrem Dauerwerben meist charmant und lustig sind.
MO 15. Juni Agadir 4. Tag
10.00 Heute ist Reisetag. 5 Stunden Autofahrt incl. Pause und Fotostops sind geplant und werden es am Ende auch. Zunächst im Landesinneren auf der N1 in Richtung Agadir durch ein schon bekanntes Landschaftsbild aus Arganbäumen und Olivenanpflanzungen. Kurzer Zwischenstop in einem Hotel am Wegesrand, dort ein kleines Frühstück mit Fladenbrot, Honig, Olivenöl und dem schon bekannten Amlou, dazu starken, süßen Minztee. Weiter an der Küste mit einem weiteren Stop im wunderschönen Ort Taghazoute. Traumhaft schöne Strandseite mit bunter Häuserkulisse, einem kleinen, hübschen Fischerstrand mit Booten, Fischern, Fußball spielenden Kindern und einigen wenigen Mutigen, die sich im noch recht kühlen Wasser tummeln.9 Taghazout
14.00 Nur noch wenige km bis Agadir und dort gleich hinauf zum Aussichtspunkt auf einen Berg mit den Resten einer alten Kasbah, also einem alten eingefriedeten Dorf, von dem nach dem großen Erdbeben von 1961 nur noch Reste übrig geblieben sind. Wir haben einen sehr weiten Blick auf das neu aufgebaute Agadir mit seinem schönen Strand, der im Vordergrund ins Meer ragenden Marina und seinen vielen weißen Häusern. Mit Fischerei- und Industriehafen, mit Marine und eben der großen Marina für die vielen chicken Sportboote und Yachten.10 Agadir
16.00 Einchecken im Hotel „Afoud“, 15 Minuten vom Strand entfernt. Abendessen im Hotel. Danach Bummel zur neuen Strandpromenade. Hier wird Tariks neuester Familienzugang, Adam aus Belgien, mit Kuchen, Connies „Schnittchen“ und Kaffee in dieser Welt begrüßt. Anschließend Bummel über die Promenade und gegen 23.00 zurück zum Hotel. Hier erwartet uns ein schönes, riesiges Zimmer, in dem man sich auch verlaufen könnte. Wir sind sehr müde und zufrieden und freuen uns auf den morgigen Ausflug ins Paradise Valley.
DI 16. Juni Paradise Valley 5. Tag
10.00 Heute fahren wir ca. 20 km nördlich von Agadir in ein Naturschutzgebiet bis ins „Paradise Valley“. Die Fahrt geht entlang guter Straßen mit stellenweisem Schotterbelag. Wir fahren direkt bis zu einer Badestelle. Klein, aber mit angenehmer Wassertemperatur. Kleine Wanderung bis dorthin, baden, faulenzen und den anderen Leuten zuschauen. Elke hat sich gestern ein Magenproblem eingefangen, es geht ihr nicht so richtig gut. Hier aber kann sie sich in einer schattigen Taverne auf eines der Sofas legen und sogar ein wenig schlafen.11 Paradie valley
13.00 Nach ca. 3 Stunden brechen wir auf zu einer kleinen Taverne und essen dort die bereits morgens von Tarik vorbestellte Tajine. Sehr, sehr lecker und vor allem urgemütlich hier mit den bunten Sofas unter schattigem Palmdach. Wir bleiben ziemlich lange und genießen die schöne Atmosphäre, das Rauschen des Baches, den Schatten und die wunderschönen Farben der Landschaft. Und vor allem natürlich die herrlich warme Sonne.12 paradise essen
16.00 Zurück nach Agadir, dort Spaziergang über den weiten und sehr schönen Strand mit seinen zwei Strömungen und herrlichem Wellengang. Später am Abend im Hotel dann noch Abendessen auf der Terrasse. Sehr leckerer Fisch, leider bei unangenehm starkem und kaltem Wind. Den Rest des Abends in der Lobby, erzählen und Bilder anschauen.
MI 17. Juni Fahrt nach Tafraoute 6. Tag
10.00 Heute fahren wir zu unserem südlichsten Punkt der Reise, nach Tafraoute, wieder ca. 5 Stunden. Auf halber Strecke Beginn der Berge mit wundervollen Ausblicken auf wechselnde Berglandschaften.
18.00 Ankunft in Tafraoute. oder genauer gesagt, ins „Maison traditionelle“ in Oumnesnate. Tarik fährt den Wagen soweit es geht über abenteuerliche Holperwege bis zu einem kleinen Parkplatz. Dort steht schon unser Wirt Raschid mit seinem Esel bereit. Der ist links und rechts mit zwei riesigen Taschen ausgerüstet. Dort hinein werden unserer Reisetaschen (immerhin für 6 Personen) beladen. Der Esel scheint das zu kennen und trottet gutmütig über den holprigen und steinigen Weg. Manchmal rutscht er ein wenig aus oder das Gepäck verrutscht zu einer Seite, aber am Ende steht er ruhig vor einem sehr schönen Haus, in dem wir die nächsten 2 Tage wohnen werden. Die Zimmer sind bunt im Berberstil gestaltet, einfach, aber sehr schön. Das Dorf besteht aus ganz vielen Ruinen und einigen wenigen intakten Häusern, die am Berghang zu kleben scheinen. Es gibt keine richtige Zufahrt hierher, nur einen Lehm- und Schotterweg, der auch noch über einen Bach führt, der jetzt aber trocken ist. Malerisch. Verstärkt noch durch das herrliche Licht der Abendsonne, die Berge und Häuser in unbeschreiblich schöne Ocker-, Gelb und Brauntöne taucht.13 Rachid
19.00 Conny zeigt uns einen Spazierweg durch dieses merkwürdige Dorf. Wir klettern mehr, als das wir laufen an den Häusern vorbei und vermuten hinter der ein oder andern verfallen erscheinenden Hauswand recht komfortable Wohnungen. Unsere Maßstäbe von baulichen Normen nehmen sich hier ziemlich überflüssig aus. Anschließend gibt es das Abendessen auf der Dachterrasse des Hauses. Tajine mit Gemüse und Huhn. Wieder sehr lecker. Nach dem Abendessen gehen wir noch ein paar Schritte vor die Tür, was hier buchstäblich nur mit Taschenlampe möglich ist. Dadurch, dass es hier keinerlei Beleuchtung gibt, herrscht schwarze Nacht und die zeigt einen wunderschönen Sternenhimmel. Glasklar und wer sie kennt, kann alle Sternzeichen herauslesen. Vor allem aber kann man die Milchstraße sehen, den Schwarm aus Milliarden von Sternen, die in unserer hellen Zivilisation meistens unsichtbar bleibt. Dazu die absolute Ruhe, ein unglaubliches Erlebnis.14 Tal Ammeln
21.00 Tarik meldet uns, dass Raschid und seine Brüder Mohammed und Mustafa und ein paar Freunde Musik für uns machen wollen. Und sie machen es toll. Mit dem virtuos gespielten Banjo und einer ganzen Reihe verschiedener Trommeln, von einer Art Pauke bis zu kleinen Handtrommeln, die von allen Beteiligten mit großer Leichtigkeit und Freude gespielt werden. Dazu spielt Raschid auf einer Art Geige, die nur aus einer einzigen Seite besteht und mit einem Bogen aus Ziegenhaar gespielt wird und langgezogene Laute erzeugt. Gespielt wird über 2 Stunden lang Berberfolklore, die für uns sehr ungewohnt klingt und in der die einzelnen Motive sich in Schleifen wiederholen. Die Musiker haben einen Riesenspaß an der Musik und wir auch. Allerdings sind wir nicht ganz so tanzfreudig, wie man das wohl von uns erwartet hätte. Die Musiker zeigen uns dies aber gottseidank nicht. Ein wirklich schöner Abend geht dann so gegen Mitternacht zu Ende. Übrigens haben wir am nächsten Tag erfahren, dass mindestens einer der Musiker eigens für uns ganz aus Agadir geholt wurde und dann auch wieder dorthin zurückgefahren wurde. So viel Aufwand für eine Handvoll Touristen, das macht uns schon nachdenklich.15 Musik
24.00 Morgen beginnt der Ramadan und damit die Fastenzeit. Wichtigstes Thema: wann beginnt er wirklich, wann meldet wer einer Radiostation, dass er die Neumondsichel gesehen haben, was darf man, was darf man nicht, wer hält sich an die Regeln, wer nicht.
DO 18. Juni Tafraoute 7. Tag
10.00 Nach dem luftigen Frühstück auf der schönen Dachterrasse erwartet uns Mustafa, der Banjospieler, im Nebenhaus in seinem Heimatmuseum. Es ist ein über 400 Jahre altes Lehm-Berberhaus und wurde noch bis 1980 von Mustafas Vater bewohnt. Hier stellt uns Mustafa die intelligente Architektur vor. Wie also die Räume alle um eine zentrale Küche herum angelegt sind, wie Kühlung und Abzug und eine durchdachte Lichtführung funktionieren und wie die Kuh eine halbe Etage unterhalb der Küche ihr tristes Leben lebt. Danach wieder eine traditionelle Teezerenomie und das Anlegen der traditionellen Gewänder, hier mit Petra als Versuchsperson.16 Mustapha
12.00 Aufbruch aus dieser traumhaft schönen Herberge „Maison Traditionelle“ und dieser ungewohnten Umgebung. Gleich geht die Fahrt zu den bunten Felsen. Zunächst dachten wir, bunte Felsen, was kann das schon sein? Aber dann kommen wir auf eine Hochebene mit riesigen freiliegenden Felsbrocken, davon viele angemalt in grünen und rosa Pastelltönen. Es sieht sehr schön aus und gibt einen ganz neuen Blick auf diese Landschaft frei. Tarik hat einen Teppich unter einem schattigen Arganbaum ausgebreitet. Kleines Picknick im Schatten, faulenzen, Klettereien über die Felsen und dann nach einigen Stunden zurück.17 blaue Felsen
15.00 Auf dem Wege machen wir Kaffeepause in der Stadt Tafraoute, das allerdings wegen des Ramadan wie ausgestorben daliegt. Das wird sich sicherlich heute Abend ändern.
16.00 Rückfahrt nach Oumnesnate, duschen und den Tag genießen, später dann Abendessen mit einem Essen aus ganz dünnen Sphaghettinudeln, innen ein gebackenes Hühnchen und obenauf mindestens 1 Pfund Puderzucker. „Zifar“ genannt, sehr ungewohnt, sehr lecker und vor allem sehr süß. Wie immer, wird eine Riesenmenge serviert, von der wir nur einen kleinen Teil essen können, aber das ist sicherlich auch so beabsichtigt: es wird immer überreich aufgetischt.
21.00 Wir fahren noch einmal nach Tafraoute und erleben die Stadt mit ihrem schönen und wuseligen Souk. Hauptziel ist heute der Einkauf: Elke ist auf der Suche nach Sandalen, Amelie findet einen schönen Keramikteller, Conny und Tarik kaufen sich einen Teppich, Petra kauft Gürtel im Doppelpack und Enno findet am Ende ebenfalls einen schönen Gürtel. Das Ganze geschieht mit einem enormen Aufwand an Feilschen, Probieren, Palavern, mit Lachen, Schmeicheln, Abwehren. Alle Register der Verkaufskunst werden gezogen und alle Abwehrmaßnahmen der Käufer. Am Ende gewinnen wohl alle. Die Verkäufer erzielen überhöhte Preise und die Käufer wissen, dass sie hier trotzdem auf einem sehr niedrigen Preisniveau einkaufen. Alle sind zufrieden und das ist ja auch das Beste, was beim Handeln rauskommen kann.18 Gewürze
23.00 Wir nehmen noch einmal einen Kaffee Nous-Nous (halb-halb) auf der Straße und fahren dann wieder zurück ins Maison Traditionelle. Den steinigen Weg vom Parkplatz über den Bach und dann zum Haus müssen wir mit der Taschenlampe ausleuchten. Müde und zufrieden freuen wir uns über diesen schönen Tag, sitzen noch ein wenig auf der Dachterrasse, schauen den klaren Sternenhimmel an und lassen den Abend langsam ausklingen.

 

FR 19. Juni Fahrt nach Taroudant 8. Tag
10.00 Heute verlassen wir das liebenswerte Oumnesnate und fahren durch den Antiatlas in Richtung Taroudant. Erstes Ziel ist der Agadir Taschguent. Ein Agadir ist ein Dorfgemeinschaftsspeicher. Dieser liegt auf einem Hügel inmitten einer weiten Ebene. Eine Steintreppe führt hinauf, der Wärter wurde schon zuvor von Tarik über unseren Besuch informiert und schließt uns die große Holzpforte auf. Stolz zeigt er uns den kunstvollen Schließmechanismus der Verriegelung. Alles aus Holz und raffiniert gearbeitet. Der Agadir zeigt sich als große Anlage mit vielen einzelnen Lagerräumen, die neben- und übereinander um Innenhöfe herum angelegt sind und nur durch kleine Steinplatten, die in die Wand eingebaut sind, zu erreichen sind. Jede Familie aus den umliegenden Dörfern hat hier eine oder mehrere Lagerstellen, in denen sie ihre Vorräte, z.B. Getreide oder Salz oder aber auch ihre Wertsachen deponiert. Wilhelm Raiffeisen mag hier auf die Idee seiner Genossenschaftsbank gekommen sein.19 Tasguint
13.00 Mittagessen in unmittelbarer Nähe des Speichers in einem Wohnhaus. In der großen guten Stube werden wir mit Tee bewirtet, anschließend folgt, wie wir bereits kennen, die Tajine mit Gemüse und Huhn, danach Früchte und Kaffee. Ein kleines Mädchen schenkt uns Wasser nach und schaut sich diese bleichen Gesellen da etwas schüchtern genauer an. Wir lächeln und ernten ebenfalls ein verschmitztes Lächeln. Nach dem Essen zeigt uns der Wirt seinen kleinen Kunsthandwerksbetrieb im Erdgeschoss des Hauses. Elke, Petra und Conny finden hier die Schmuckobjekte ihres Lebens.
14.00 Jetzt folgt die Fahrt in die Berge, kurvenreich mit immer demselben Panarama: gelb-brauner Sand und Gestein, dazwischen grüne Oliven- und Arganbäume und manchmal auch eine kleine Fläche mit gelbem Getreide. 40 km vor Taroudent wechselt die Landschaft plötzlich. Im Übergang von Bergland zur flachen Tiefebene zeigen sich wunderschöne Bildmotive.20 Landschaft
20.00 Die Stadt Taroudant ist bei unserer Ankunft noch ziemlich ruhig. Unser neues Domizil, das „Palais Salam“ hat seinen Eingang direkt in der wuchtigen Stadtmauer und macht einen großartigen Eindruck. Ein altes Hotel, bei dem man an die Kolonialzeit denkt, öffnet sich und gibt den Blick frei auf eine große Gartenanlage mit einem Swimmingpool und vielen kleinen Schattenplätzen zum Lesen, Kaffee trinken oder einfach faul auf einer Liege liegen. Die Zimmer sind um einen Platz herum angeordnet, dort haben wir wiederum ein Swimmingpool direkt unter unserem Fenster. Bananenstauden, Palmen und andere exotische Pflanzen schützen vor der heißen Sonne. Wie im Paradies.21 Palais salam
Leider klappt es nicht mit der Verpflegung. Kein Personal, klagt der alte Ober und gibt sich alle Mühe, uns wenigstens noch eine Harisa, das ist eine Gemüsesuppe, die hier zum Ramadan gegessen wird, zu servieren. Wir nehmen dankbar an und denken, dass es wohl die Suppe gewesen ist, die für die Mitarbeiter selber bestimmt war. Aber die werden sich sicherlich irgendwie Ersatz beschafft haben. Die Suppe war lecker, aber nicht genug für ausgehungerte Touristen.
22.00 Kleiner Stadtbummel in Taroudant. Ein Glas frisch gepresster Orangensaft und ein kleiner Kaffee bei „Chez Nada“ an der Straße, ein Gang über den sich mehr und mehr belebenden Souk mit seinen hunderten von Läden. Der Ruf des Muezzins aus den verschiedenen Moscheen, Frauen schlendern in kleinen Gruppen durch die Straßen, immer mehr Händler öffnen ihre Ladenklappen. Dann fahren wir zurück ins Palais Salam und lassen diesen schönen Sommertag mit dem Futtern aller Reste von Obst und Keksen am Pool langsam ausklingen.
SA 20. Juni Taroudent 9. Tag
9.00 Gutes Frühstück am Schildkrötenteich. Kurzer Gang über die Stadtmauer mit schönem Blick auf die Stadt, weiter zum Souk. Dort sucht Amelie jemanden, der ihren Rucksack reparieren kann und Tarik steuert sicher durch das Gassengewirr bis zu dem Teil des Souks, in dem die Flickschuster und Schneider und Lederreparateure sitzen. Hier werden wichtige Handelsbeziehungen zum Erwerb von Schuhen und Ledergürteln angebahnt, die Abwicklung gestaltet sich dann aber ein wenig nervig. Amelies Rucksack wurde erstklassig genäht und wird die nächsten 50 Jahre ohne Probleme überstehen.22 Kräuter
Den Tag über verbringen wir mit Schwimmen, Lesen und Faulenzen im wunderschönen Park unseres wirklich tollen Hotels und am Abend gehen wir wieder in die Stadt.
19.00 Abendessen bei Nada im Straßenlokal mit einem leckeren Couscous. Danach Gang über den neuen Platz mit den Riesenbrunnen. Hier findet das öffentliche Leben statt, hier treffen sich die Familien, spielen die Kinder, betteln die Bettler.
23.00 Zurück im Hotel hören wir noch dem Knickhals-Lautenspieler am Pool zu, genießen O-Saft und Kaffee und die herrliche Stimmung. Was hat diesen Tag zu einem Erlebnis gemacht? Die Stadt hat keine besonderen Attraktionen, sie ist nicht einmal besonders hübsch anzusehen. Was den Besuch hier so lohnenswert macht, ist zum einen die wunderschöne afrikanische Hotelanlage und zum anderen ist es der Alltag, der hier bisher am deutlichsten zu beobachten ist. Die langen weißen, beigen oder braunen Mäntel der Männer, die Frauen in bunten Gewändern. Die Radfahrer, Autos, Esel, Mopeds zu einem heillosen Knoten verwickelt, durch die Souks wuselnd. Die umständlichen Prozeduren, bis endlich ein verkeilter Handkarren oder ein Motorrad an den Auslagen der Läden vorbeigeschoben und im Strom der Passanten wieder frei kommt. Alles von sehr viel Worten und Anteilnahme begleitet. Warum man überhaupt mit einem Motorrad mitten durch den Souk fahren muss, hat sich uns auch nach langer interessierter Beobachtung nicht erschlossen. Über allem liegt der scheinbar immerwährende Ruf des Muezzin und die Laute aus den Gebetsräumen der vielen Moscheen.23 Esel
SO 21. Juni Fahrt nach Marrakesch 10. Tag
8.00 Wieder Beginn des Tages mit kleiner Schwimmrunde im Pool, danach Treff zum Frühstück. Die Fahrt nach Marrakesch erfolgt auf der weitgehend gut ausgebauten Straße bis Agadir und von dort über die neue Autobahn nach Marrakesch.
Tarik fährt uns in das ca. 25 km südlich von Marrakesch gelegene „Maison Caro“. Von der Straße führt ein kleiner Holperweg zwischen den Feldern zu einem Haus mit einem Garten mit Liegeplätzen, Sonnenschirmen und einem wunderschönen Swimmingpool. Unsere Zimmer sind um die große Außendiele mit Essplatz herum angebracht. Mit Billardtisch und Tischtennisplatte und vor allem mit offenem Blick auf den schönen Garten.

24 Terrasse

Ankommen, ausruhen, ein wenig schwimmen und dann so gegen 20 h zeigt die Wirtin, Saida, erste Zeichen ihrer Kochkunst: Couscous-Salat mit Zitronenöl und Minzblättern: super lecker. Danach sitzen wir alle um den großen Tisch herum, spielen Uno und lassen uns vom Flair dieser Unterkunft einfangen
00.30 Ende dieses Reise- und Faulenzertages

 

MO 22. Juni Marrakesch 11. Tag
8.00 Nach Frühschwimmen und Frühstück fahren wir 25 km nördlich in die Stadt Marrakesch. Der große Platz, der Djemaa el Fna, ist noch ziemlich leer, nur wenige Händler sind schon da und auch ein Schlangenbeschwörer. Langer Gang durch die schon gut besuchten Souk-Gassen. Hier kaufen wir schöne Lampen und Teller. Wir besuchen eine „Apotheke“ mit Erläuterung der angebotenen Kräuter und ihrer Heilkraft. Besonders angetan hat uns ein Heilkraut (Name vergessen) das für „alles“ gut ist. Also dann.
13.00 Anschließend Besuch des Jardin Marjorelle, von Yves Saint Laurent gestalteter sehr schöner Garten mit Wüstenpflanzen, Bambus und mit bunt bemalten Vasen und keramischen Mosaiken, die diesem Garten einen ganz eigenen Charakter geben.
16.00 Zurück im Maison Caro zum schwimmen, faulenzen und sonnenbaden. Zum Abend wieder eine leckere Tajine mit geschmortem Rinderfleisch, Backpflaumen und Mirabellen. Was wir über die marokkanische Küche herausgefunden haben: es schmeckt alles sehr lecker, ist immer mit viel Zimt, Kardamom und Minzblättern und vor allem Koriander gewürzt. Immer lecker, aber immer süß, das ist für uns schon etwas gewöhnungsbedürftig.
DI 23. Juni Wanderung in Qurika 12. Tag
11.00 Der Tag beginnt wieder immer mit „Frühsport im Pool“, Frühstück mit Pfannkuchen, Honig, Amlou und Marmelade und einem leckeren Omelette. Danach Abfahrt nach Ourika, einem schönen Touristenort mit einem langgezogenen Dorf. Ziel ist der gleichnamige Bach, an dessen Ende sich ein Wasserfall befindet, der diesen Bach speist. Dort angekommen, findet Tarik einen Führer, Hussein, der uns den Kletterweg über die Felsen zum Wasserfall zeigt. Ziemlich steil und abenteuerlich. Von allein wären wir nicht auf den Gedanken gekommen, dort hinaufzuklettern. Aber Hussein hat den Wettlauf seiner Mitbewerber durch besondere Beharrlichkeit gewonnen und ist nun für diesen Tag unser (sehr freundlicher) Führer.
Oben nach einigermaßen unsportlichem Heraufkrackseln belohnt uns ein Glas eiskalter frischer Orangensaft und ein herrlicher Blick auf den nicht übermäßig großen Wasserfall. Ganz Mutige gehen hier baden, wir, außer Tarik, gehören nicht dazu.
Nach ein paar Stunden mit Rast und kleinem Imbiss in einem der schönen bunten Tavernen geht es den weniger schwierigen Weg über den Bergrücken zurück. Allerdings zunächst noch über eine Leiter weiter hinauf, damit wir die Einstiegs-Ebene erreichen können. Hussein geleitet uns wieder zurück bis zu unserem Auto.
Im Maison dann lockt der Pool, die Abendsonne und die Vorfreude aus Saida´s leckeren Couscous mit Würstchen.

 

MI 24. Juni Stadttag Marrakesch 13. Tag
10.00 Gleich nach dem Frühstück geht es nach Marrakesch. Über den großen Platz und durch den alten Markt mit den vielen Ständen mit Obst, Gewürzen, Lederwaren, Tellern, Bildern, Haushaltwaren. Mit seinem Gerüchen, seinem vielfältigen Lärm und seiner teils geschäftigen, teils schläfrigen Betriebsamkeit.
Wir machen noch einen Abstecher zur neuen Mall von Marrakesch, die demnächst eröffnet wird, sehr modern aufgezogen ist und sicherlich eine neue Attraktion von Marrakesch werden wird.
Zurück im Maison Caro verbringen wir die Zeit bis zum Abend wieder mit faulenzen, schwimmen und lesen. Nach dem wieder sehr leckeren Abendessen mit Blätterteig und Hühnchen und viel Zimt und Zucker fahren wir wieder in die Stadt, diesmal, um sie im abendlichen Trubel zu erleben.
22.00 An der großen Moschee sehen wie Hunderte von Betenden, für die in der Moschee kein Platz mehr war und die deshalb auf ihren mitgebrachten Gebetsteppichen knieen und im gemeinsamen Gebet mit dem Muezzin versammelt sind. Alle in langen Gewändern, die meisten in Weiß, manche in Grau- und Brauntönen.
Auf dem Djemaa el Fna, dem „Platz der Gehenkten“ sind viele feste Stände aufgebaut. Der Platz ist aber nicht so voll belegt, wie wir uns das vorgestellt haben. Bei einem Nous-Nous auf der Dachterrasse des Hotels „Cafe des France“ haben wir einen sehr guten Überblick über den gesamten Platz und verfolgen aufmerksam das Geschehen unten.
Der Platz füllt sich mehr und mehr, wir sitzen zusammen und essen Spieße und schauen den Bettler, Händlern und Gauklern zu. Vielleicht liegt es am Ramadan, dass gerade dieser Platz, den wir aus Filmen und Berichten schon zu kennen glaubten, nicht den gewaltigen Eindruck auf uns gemacht hat, wie andere Dinge auf dieser Reise das durchaus getan haben.
01.30 Spät in der Nacht verlassen wir Marrakesch entlang einer Reihe von müden und außer Rand geratenen Kutschpferden und fahren zurück in unserer Unterkunft. Noch ein wenig klönen, über das, was wir erlebt haben und dann gegen 02.30 h Ende dieses Tages.
DO 25. Juni Wanderung in Imil 14. Tag
11.00 Heute ist unser letzter Abenteuertag und der führt uns nach Imlil im Parc National de Toubkal. Die Nacht war kurz, wir haben lange geschlafen und fahren so gegen 11.00 h in die Berge. Der Weg führt über Ourika und Asni und Tanaoute bis nach Imlil.
Der Weg hinauf zum kleinen Bergdorf führt durch schattige Baumbestände und buchstäblich über Stock und Stein aufwärts. Nach ca. 1 ½ Stunden sind wir oben. Zwischendurch immer mal eine kleine Verschnaufpause (als Fotostopp getarnt)., Schöne Aussicht auf die Berge mit sehr vielen Wanderwegen, die alle zu einem, wenn auch noch so winzigen, Bergnest führen. Im Dorf angekommen, verstecken sich die Frauen vor uns, erwidern aber kurz und freundlich unser Bonjour.
16.00 Abstieg auf leichtem, etwas staubglattem Weg. Die Nachmittagssonne taucht „unser“ Bergdorf in wunderschöne monochromatische Brauntöne.
18.00 Rückfahrt über die serpentinenreichen Berge. Auch hier herrliche Farben der Berge und Felder. Jetzt vom braun wechselnd in eine Farbpalette grün-gelb-braun. Spätes Abendessen um 20.30 h, toller Kartoffelsalat mit Eiern, danach Hühnchen mit Zitrone. Wieder Spiele spielen, klönen und um Mitternacht auch diesen letzten Tag beenden.
FR 26. Juni Rückflug nach Hamburg Ende
Heute werden wir um 16.00 h nach Hamburg zurückfliegen, dabei die Uhr wieder 2 Stunden vorstellen und gegen 23.00 h Ortszeit in Fuhlsbüttel landen. Die Zeit genießen wir wieder mit Schwimmen, faulenzen, Bilder betrachten, Gästebuch schreiben, Packtaschen füllen. Später dann auf dem Wege zum Flughafen noch ein letztes Nous-Nous in Marrakesch und dann Abschied von Tarik, der noch eine Woche in Marokko bleibt. Conny fliegt mit uns und von ihr verabschieden wir uns am Hamburger Flughafen.
Hier endet unser Reisebericht über eine Reise, die aufregend und schön für uns war, die uns sehr viele neue Eindrücke gebracht hat, die uns ein wenig das Wesen des Islam erspüren ließ und die von unseren beiden Veranstaltern und Freunden Tarik und Conny auf sehr liebenswerte und kompetente Weise gestaltet wurde. Herzlichen Dank dafür.

 

 

zur original pdf-Datei des Berichts mit Fotos kommen Sie über den Link

2015 Marokko Tagebuch

Viel sehen und erleben, nicht viel fahren

 

Das ist die Vorgabe gewesen, unter der wir eine Rundreise für 4 Personen planen sollten. Das ist uns ganz gut gelungen. Wir starten in Essaouira am Atlantik. Dort herrscht auch zu dieser Jahreszeit ein gemäßigtes Klima und wir freuen uns alle auf Sommer und baden. Kein wunder bei dem norddeutschen Wetter grad.

Reisebeschreibung

Diese Reise startet am 12.06.2015 und endet am 26.06.2015. Bericht folgt

Hier könnt ihr den Reisebericht zu dieser Reise lesen

Marokko-Rundreise mit Tarik Tours im Dezember 2014

von Martin und Danny

Tag 1

Dieser deutsche Dezembertag hat schon am frühen Morgen gezeigt, warum wir uns für ein Urlaubsziel deutlich südlicher entschieden haben. Der Flug startet in Düsseldorf bei leichtem Regen und ungemütlichen 4°C. Allerdings müssen wir schon während dem Flug feststellen, dass auch Marokko großteils unter Wolken liegt. Und so bleibt uns beim Anflug auf Marrakesch leider der schöne Blick auf den schneebedeckten Atlas verwehrt. Um die Mittagszeit erreichen wir planmäßig Marrakesch. Es ist stark bewölkt und es kommt immer wieder zu kurzen Regenschauern. Allerdings ist es 10°C wärmer als in Deutschland und das ist ja nach all den trüben, grauen und kühlen Wochen zuvor auch schon positiv.

Auf dem Flughafen in Marrakesch scheint an diesem Montag nicht sehr viel Betrieb zu sein und da auch unser Flieger nur knapp zur Hälfte besetzt war, kommen wir schnell und unkompliziert durch die Passkontrolle. Nach dem Erhalt unseres Gepäcks wird am Ausgang aus dem Sicherheitsbereich noch mal alles Gepäck (auch Handgepäck) gescannt. Und dann ist es endlich soweit: wir lernen Tarik kennen, der uns in den nächsten 10 Tagen führen wird. Da wir im Vorfeld mit Conny bereits Bilder ausgetauscht haben, erkennen wir uns alle sofort und nach der Begrüßung geht es direkt auf den Parkplatz zum Mietwagen. Diesen hat Tarik, der schon zwei Tage zuvor angereist war, bereits organisiert. Außerdem finden wir im Auto noch leckeren Proviant und Wasser für die erste Etappe, die uns über Agadir nach Oumesnate (nahe Tafraoute im Vallée d’Ammelne) führt.

Das erste Teilstück bis Agadir legen wir schnell auf der mautpflichtigen Autobahn zurück. Nach kurzer Pause am Rand von Agadir geht es weiter über kleine Landstraßen durch den landschaftlich aufregenden Antiatlas. Dabei zeigt sich auch endlich zunehmend die Sonne, und es gibt keine Regenschauer mehr. Es geht vorbei an kleinen Schaf- und Ziegenherden, durch kleine Bergdörfer und immer wieder verändert sich die Landschaft. Hügelketten, die einer Mondlandschaft gleichen, wechseln sich mit grünen Oasen und den berühmten Arganbäumen ab. Und wir haben sogar das Glück nahe eines abgelegenen Bergdorfs die berühmten Ziegen im Baum zu beobachten, die hier bestimmt nicht nur für Touristen platziert wurden.

Immer wieder sehen wir auch Dorfbewohner mit Eseln aber andere Autos oder Lastwagen kommen uns nur sehr selten entgegen. Leider bricht noch vor der Ankunft am ersten Etappenziel die Dunkelheit über uns herein, und wir sehen daher in den letzten beiden Fahrstunden nichts mehr von der herrlichen Landschaft. Gegen 19 Uhr erreichen wir Oumnesnate und unsere erste Unterkunft (Maison Traditionelle). Dieses liegt nicht direkt an der „Hauptstrasse“ sondern kann nur über einen unbefestigten Weg erreicht werden. Aber auch dieser führt nicht direkt zum Haus und so laufen wir im Dunkeln, begleitet von unseren Gastgebern die letzten Meter zur Unterkunft. Außer einem grandiosen Sternenhimmel können wir allerdings in der Dunkelheit sehr wenig erkennen und müssen uns daher bis zum nächsten Morgen gedulden.

Die Zimmer sind einfach und sauber mit einem kleinen Bad (mit europäischer Toilette) und vor allem beheizt, was bei den nächtlichen Außentemperaturen nicht schaden kann. Kurz nach der Ankunft treffen wir uns auf der Dachterrasse zum Abendessen. Dieses ist (wie erhofft) traditionell marokkanisch und wir werden es in den folgenden Tagen in unterschiedlichen Variationen weiter kennenlernen. Nachdem die Gemüsesuppe uns ob der kühlen Temperaturen etwas aufgewärmt hat, kommt als Hauptspeise der traditionelle Tajin auf den Tisch. Hähnchen geschmort mit verschiedenen Gemüsesorten und Kartoffeln. Sehr lecker! Zum Abschluss gibt es Mandarinen und Äpfel und natürlich den obligatorischen Tee (grüner Tee mit Minze und viel Zucker). Danach sind wir tot müde und legen uns alle ziemlich schnell schlafen.

 

Tag 2

Ausgeschlafen geht es an diesem Morgen zum Frühstück auf die Dachterrasse. Und wir werden nicht enttäuscht. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein und ein wunderbarer Ausblick über das grüne Tal. Auch das Frühstück ist traditionell marokkanisch mit Brot Marmelade, Honig und vor allem Amlou (Arganöl, Honig und Arganmandeln). Gut gestärkt und nach der ersten Runde Tee geht es Richtung Tafraoute. Dort verweilen wir erst mal nur kurz und kaufen für die Mittagspause Brot, Oliven und ein paar Bananen. Dann geht es los Richtung Vallée Ait Mansour. Unterwegs am Stadtrand von Tafraoute machen wir noch einen kurzen Fotostopp am Chapeau Napoléon. Auch da sehen wir wieder die typische Landschaft des Antiatlas. Eine schroffe Berglandschaft, die aber aufgrund der unterschiedlichen Farben und Formen der Steine durchaus einen großen Reiz hat und an der wir uns fast nicht satt sehen können. Und dann fahren wir nach etwa 40 km über eine Bergkuppe und plötzlich beginnt ein Bachlauf und die ein oder andere kleine Palme zeigt sich entlang des Bachlaufs. Der Bach (oder das kleine Flüsschen) führt aufgrund der kürzlich zurückliegenden Regenfälle ordentlich Wasser. Die Straße führt entlang des Flüsschens hinab ins Tal. Unten angekommen gelangen wir von einem Moment zum anderen in einen dichten Palmenwald, die Oase Ait Mansour. Wir beschließen das Auto am Anfang der Oase abzustellen und gehen zu Fuß weiter. Es ist herrlich still und außer ein paar einheimischen Berbern und dem ein oder anderen Hund begegnen wir niemandem. Wir stellen schnell fest, dass auch hier bei Jung und Alt der technische Fortschritt Einzug gehalten hat, als uns eine alte Frau entgegen kommt, die Tarik etwas verzweifelt fragt, wie sie wohl ihr altes Nokia-Handy wieder zum Laufen bringen kann. Nach kurzer Prüfung kommt Tarik zum Schluss, dass sie es wohl nur mal wieder aufladen muss.

Beim Spaziergang durch die Oase fällt uns außerdem schnell auf wie stark die vergangenen Regenfälle wohl waren. Überall können wir noch erkennen, wo das Wasser hingereicht hat.

Zurück am Auto setzen wir uns in den benachbarten Palmengarten, der zum Minimarkt dieser Ortschaft gehört. Wir genießen die Sonne und neben dem mitgebrachten Proviant organisiert uns Tarik noch ein frisches Omelette vom Inhaber des Minimarkts. Dazu gibt es natürlich wieder grünen Tee mit frischer Minze und natürlich Zucker. Anschließend verlassen wir die Oase. Doch bevor wir wieder nach Tafraoute zurückkehren, geht es noch zu den berühmten blauen Felsen. Dieses ursprünglich von einem belgischen Künstler geschaffene Kunstwerk findet sich mittlerweile in jedem Reiseführer. Allerdings sind wir in der milden Dezembersonne fast die einzigen, die die Felsen erklimmen. Und irgendwie sehen diese bunten Felsen mitten in der ockerfarbenen Felslandschaft etwas verrückt aus.

Die Rückkehr nach Tafraoute kurz vor dem Sonnenuntergang nutzen wir für einen kleinen „Einkaufsbummel“ durch die Souks. Es ist bereits mächtig viel los, da am nächsten Tag Markttag ist. Gegen 18 Uhr geht zurück zur Unterkunft.

Zum Abendessen geht es wieder auf die Dachterrasse und nachdem alles aufgegessen ist und der obligatorische Tee getrunken ist, geben uns unserer Gastgeber eine kleine Kostprobe typischer Berber-Musik. Nochmal vielen Dank an Tarik, dass er dies für uns organisiert hat.

Tag 3

Direkt benachbart zur Unterkunft „Maison Traditionelle“ befindet sich das alte Wohnhaus der Familie. Dieses wurde als kleines Museum eingerichtet und gleich nach dem Frühstück führt uns einer der Söhne – Mustafa – durch die Räume. Das Haus besteht ganz traditionell aus Lehm und Steinen und zum Anschluss der Tour, die Mustafa in fast einwandfreiem Deutsch hält, werden wir im ehemaligen Wohnzimmer zu einer Runde Tee eingeladen. Dort treffen wir auch auf den blinden Vater, das Familienoberhaupt.

Nach diesem interessanten Einblick verlassen wir unsere Unterkunft für eine weitere Tagestour zum Agadir Tasguent. Dort befindet sich kaum auffindbar und abseits der befestigten Straße eine wunderbare alte Speicherburg. Diese befindet sich auf einem kleinen Hügel und wird nach wie vor von einer Familie bewohnt, die diese „Sehenswürdigkeit“ beaufsichtigt. Da das Familienoberhaupt auf dem schon zuvor erwähnten Wochenmarkt in Tafraoute weilt, werden wir von der etwa 12-jährigen Tochter durch die alten Gemäuer geführt. Die Burg gleicht einer Art Tresorraum mit zahlreichen Schließfächern. In diesen hat die umliegend wohnende Bevölkerung früher alle Ihnen wertvollen Gegenstände wie Getreide, Honig usw. eingelagert. Beim Einlagern wurde auf Holzstücken genau protokolliert, was sich in dem jeweiligen Fach befindet. Beim Rundgang erfahren wir, dass diese Burg auch heute noch teilweise zur Lagerung dieser Lebensmittel bzw. Gegenstände dient.

Mittagessen gibt es bei einer Familie im Nachbardorf. Dort hat Tarik bei seinem letzten Besuch jemanden kennengelernt, der uns herzlich in sein Wohnzimmer einlädt. Zur Begrüßung gibt es auch hier erst mal Tee mit Luisa (Eisenkraut oder Verbene) und anschließend – das nehmen wir an dieser Stelle schon mal vorweg – das beste Tajin, das wir im ganzen Urlaub bekommen werden. Dazu wird selbst gebackenes, frisches Brot gereicht und Salat aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln. Einfach nur lecker!

Danach geht es wieder zurück durch die beeindruckende Landschaft des Anti-Atlas nach Tafraoute. Dort schlendern wir kurz durch die Souks und – da bereits Abend ist – über die Überreste des Wochenmarkts und genießen anschließend den Sonnenuntergang bei einem Kaffee bzw. Tee. Zum Abendessen sind wir dann wieder im „Maison Traditionelle“ und werden mit einer weiteren Tajin-Variation (Hackfleischbällchen in Tomatensoße mit Erbsen und Ei) verwöhnt.

 

Tag 4

Leider müssen wir heute unsere Unterkunft in Oumesnate verlassen und unsere Rundreise fortsetzen. Ziel der heutigen Etappe ist die Oase Fint in der Nähe der marokkanischen Filmstadt Ouarzazate. Auch heute strahlt wie bereits die beiden Tage zuvor die Sonne von einem wolkenlosen Himmel bei milden 20°C. Die komplette Fahrt in Richtung Ouarzazate führt wieder durch die grandiose und abwechslungsreiche Landschaft des Anti-Atlas. Die individuelle Reisegestaltung erlaubt es dabei immer wieder Pausen zum Bilder machen oder Kaffee trinken bzw. Souvenirs kaufen einzulegen. Wir passieren dabei das Städtchen Igherm, wo wir leckere Avocado-Milch trinken. In Taliouine machen wir unsere Mittagspause und in Tazenakht führt uns Tarik in die Souks zum Safran kaufen. Soviel sei verraten: er handelt dabei einen sehr guten Grammpreis aus… Aber gerade auf dem Teilstück von Igherm nach Taliouine wird uns allen noch mal deutlich vor Augen geführt, welche zerstörerische Kraft das erst kurz zurückliegende Hochwasser hatte. Zahlreiche Flussüberquerungen wurden weggespült und wir sind froh, dass Tarik einen SUV ausgeliehen hat. Allerdings zeigt sich auch die pragmatische Herangehensweise der Marokkaner an anstehende Probleme. Während in Deutschland diese Straßen wahrscheinlich monatelang gesperrt wären, sind hier die Flussüberfahrten wieder provisorisch hergerichtet worden. Erleichternd kommt hier natürlich hinzu, dass die Flußbetten mittlerweile wieder (fast) ausgetrocknet sind. Wo noch Wasser fließt, sind immer wieder Frauen beim Waschen zu beobachten. Auch sehen wir auf diesem Teilstück immer wieder Menschen, die Ihre Felder ganz traditionell mit Esel und Pflug bestellen. Die Felder sind meist sehr steinreiche, terrassierte Parzellen und werden hauptsächlich von Frauen in ihren traditionellen Gewändern bewirtschaftet.

Ganz anders dann die Landschaft auf dem letzten Teilstück von Taliouine nach Ouarzazate. Hier fahren wir durch weite Hochebenen, die groß teils landwirtschaftlich genutzt werden und auch etwas moderner mit Traktoren bewirtschaftet werden. Die Felder sind hier flach und weniger steinreich. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir dann noch einen wunderbaren Blick auf die schneebedeckten Berge des Atlas-Gebirges am Horizont. Bereits im Dunkeln erreichen wir die großzügig angelegte Stadt Ouarzazate. Diese durchqueren wir und fahren etwa 10 km über eine staubige Piste in Richtung unserer Unterkunft „Auberge La Terrasse des Délices“ in der Oase Fint. Die letzten Meter bis zur Unterkunft sind für unseren robusten SUV ein kleines Abenteuer, da sich auch hier die Zerstörungen durch das Hochwasser bemerkbar machen. Auch in dieser Unterkunft bekommen wir ein kleines, einfach eingerichtetes, sauberes Zimmer, welches wir mit Hilfe der Klimaanlage angenehm beheizen können. Abendessen gibt es im großen Speisesaal am gemütlichen Holzfeuer. Auch hier die typische Speisefolge: Suppe, Tajin und zum Abschluss Früchte (jahreszeitgemäß Mandarinen und Äpfel) sowie Tee. Auch wenn wir in der Dunkelheit nur erahnen können wie schön die Umgebung wohl ist, entschließen wir uns spontan und ohne Tarik, einen kleinen Nachtspaziergang durch das Flussbett und die Oasengärten zu unternehmen. Dies bleibt nicht unbemerkt und einer der Angestellten der Unterkunft, Said, wittert spontan die Chance sich als „Reiseführer“ ein paar Dirham zu verdienen. Wir wandern durch das feinsandige Flussbett, dass mittlerweile wieder wenig Wasser führt und freuen uns dabei schon darauf am nächsten Morgen alles bei Sonnenschein bewundern zu können…

 

Tag 5

Die kleine Oase erscheint an diesem Morgen friedlich und schön in der Morgensonne. Rings um die Herberge ist ein Palmenwald und am Fluss, der nach Auskunft von Tarik normalerweise kaum oder kein Wasser führt, waschen die Frauen der umliegenden Dörfer Kleider. Nach dem Frühstück auf der Sonnenterrasse brechen wir auf in Richtung des Filmmuseums in Ouarzazate. Eigentlich hätten wir auch gerne die gegenüberliegende Kasbah Taourirt besichtigt. Allerdings ist diese noch geschlossen, da gerade die Unwetterschäden ausgebessert werden. Schade. Im Filmmuseum erhalten wir einen netten kleinen Eindruck in die Filmgeschichte Marokkos. Interessant ist auch die kleine Ausstellung zur Filmtechnik des letzten Jahrhunderts.

Benachbart zum Filmmuseum ist eine kleine Ladenzeile, in der die typischen Souvenirartikel angeboten werden. Einen der Besitzer (Hassan) kennt Tarik noch von einem seiner letzten Besuche. Und er steuert auch dieses Mal den Laden wieder an, da Hassan neben Souvenirs und Schmuck auch Reisen in die Wüste vermittelt. Und so ändern wir bei marokkanischem Tee und Berber-Musik von Hassan unsere Reiseroute ab und beschließen zwei Nächte in der Sahara zu verbringen. Beim Verlassen des Ladens erhalten wir noch eine Einladung zum Mittagessen bei Hassan, die wir erst mal aus Zeitgründen nicht annehmen konnten.

Denn auf alle Fälle wollen wir am heutigen Tag noch das als UNESCO-Weltkulturerbe geltende Ksar Ait Ben Haddou besichtigen. Das Ksar liegt etwa 30 km außerhalb der Stadt Ouarzazate und ist ein touristischer Hotspot. Allerdings haben wir zu dieser Jahreszeit wohl Glück, denn der Betrieb ist überschaubar. Zurück in Ouarzazate legen wir eine Pause im Café Habous ein und genießen in der Sonne Kuchen und Kaffee. Nach einem Bummel durch die Souks und dem interessanten Unterfangen dort eine Briefmarke zu organisieren, stoppen wir auf dem Rückweg zur Unterkunft noch mal bei Hassan, da Tarik noch letzte Details der bevorstehenden Wüsten-Safari klären will. Die Oase und damit unsere Unterkunft erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang und angelehnt an die noch warme Hauswand genießen wir die Ruhe und den Sternenhimmel auf der Terrasse. Said ist irgendwann auch wieder an unserer Seite und so kann ich etwas mein Französisch praktizieren.

Zum Abendessen gibt es dann zum ersten Mal ein leckeres Couscous.

 

Tag 6

Bevor es auf unserer Rundreise weiter zum nächsten Etappenort Agdz geht, nehmen wir uns noch die Zeit für einen kurzen Spaziergang im sandigen Flussbett der Oase Fint in der angenehm milden Dezembersonne. Dann steht die relativ kurze Autoetappe nach Agdz im wunderbaren Drâa-Tal an und bereits um die Mittagszeit erreichen wir unsere Unterkunft. Diese wird von einer Frau gemanagt und daher sehen wir auch zum ersten Mal in einer unserer Unterkünfte auch Frauen und Kinder. Wir können an dieser Stelle schon mal vorweg nehmen, dass diese Unterkunft eine der schönsten auf unserer Rundreise ist.

Der Drâa-Fluss führt, obwohl die vergangenen Regenfälle schon einige Wochen zurückliegen, noch immer reichlich Wasser und die anschließende Besichtigung der historischen Kasbah Cait zeigt eindrucksvoll auf, welche Gewalt die Wassermassen wohl hatten. Denn vor allem diese aus Lehm gebauten Gebäude sind besonders sensibel und Regen- und Flutschäden sind überall sichtbar.

Trotzdem sind vor allem die Spaziergänge durch die herrlichen Palmengärten der Kasbah und vor allem unserer Unterkunft sehr schön, auch wenn zu dieser Jahreszeit und aufgrund der zurückliegenden Überflutungen in den Gärten fast nichts wächst. Uns wird erklärt, dass diese Gärten fast ausschließlich der Selbstversorgung dienen und dass Obst und Gemüse, das auf den vielen Märkten angeboten wird, auf Feldern und Plantagen weiter nördlich (z.B. bei Agadir) angebaut wird. Trotzdem stellen wir fest, dass es fast ausschließlich der Jahreszeit entsprechende Obst- und Gemüsesorten gibt.

Zum Sonnenuntergang begeben wir uns auf einen nahe gelegenen Hügel, auf dem eine alte und nicht mehr bewohnte Kasbah liegt und genießen den weiten Ausblick über den riesigen Palmenwald des Drâa-Tals. Vor dem leckeren Abendessen packen wir noch unsere Rucksäcke für die bevorstehenden Tage in der Wüste um.

 

 

Tag 7

Nach dem Frühstück starten wir direkt in Richtung Mhamid. Es kommt einem fast vor wie die Fahrt ans Ende der Welt, denn in diesem staubigen Ort endet die befahrbare Nationalstraße und es beginnt endgültig die Wüste. Es ist der südlichste Punkt unserer Rundreise und hier starten wir mit unserer von Hassan in Ouarzazate vermittelten Wüstentour. Begleiten werden uns der touristen- und trekkingerfahrene Ibrahim und sein Helfer Addo (der uns in den kommenden beiden Tagen rund um die Uhr fürsorglich mit Tee versorgen wird).

Bevor es aber losgeht, genießen wir noch die Gastfreundschaft der Familie von Mohamed, der der Kontaktmann von Hassan in Mhamid ist und die Wüstentour-Agentur betreibt. Die Etappe zum ersten Nachtlager am Nachmittag bestreiten wir beide reitend auf dem Dromedar. Wir entfernen uns etwa 2 h von Mhamid und schlagen dann unser Nachtlager auf. Dies bedeutet für unsere beiden Begleiter etwas Arbeit: Abladen, Kochzelt aufbauen, Dromedare versorgen… Nur unsere eigenen kleine Zelte schlagen wir selbst auf und auch beim Holz sammeln für das abendliche Lagerfeuer können wir behilflich sein. Der ungemütliche Wind lässt mit Einbruch der Dunkelheit glücklicherweise nach und so können wir nach dem schnellen Sonnenuntergang den unglaublichen Sternenhimmel (und auch die ein oder andere Sternschnuppe) bewundern. Ibrahim bereitet in der Zeit das Abendessen vor und Addo versorgt uns in der Zwischenzeit immer wieder mit Tee, Erdnüssen und Keksen. Außerdem gesellt sich noch ein Dromedar-Hirte zu unserer Runde und so hat jeder Unterhaltung bis wir gegen 22.30 Uhr unser Zelt aufsuchen.

Da die Temperaturen in der Nacht weiter sinken, ärgere ich mich am frühen Morgen darüber, dass ich am Abend zu faul war, die Wollsocken zu suchen und nun kalte Füße habe…

 

Tag 8

Aufgrund der kalten Füße verlasse ich am nächsten Morgen mit Anbruch des Tages unser Zelt, um die klammen Glieder etwas in Bewegung zu bringen und aufzuwärmen. Nach und nach werden auch die anderen wach und genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bevor es Frühstück gibt.

Danach brechen wir unser Nachtlager ab und unsere beiden Führer beladen wieder die Dromedare. Weiter geht es durch die nun größer werdenden Sanddünen, während der Wind immer weiter auflebt. Trotz der unwirtlichen Umgebung wachsen überall die sehr widerstandsfähigen Tamaris-Bäume, deren abgestorbenen Stämme und Äste uns abends als Feuerholz dienen. Zudem wachsen aufgrund der kürzlich gefallenen Niederschläge noch sehr viele Gräser und Kleinpflanzen, die ansonsten nicht zu sehen sind…

Zur Mittagspause „retten“ wir uns in einen einigermaßen windarmen Schatten eines großen Tamaris-Baums und genießen nach kurzer Zeit bereits wieder einen weiteren Tee von unserem Reiseführer-Gehilfen Addo. In der Zwischenzeit bereitet Ibrahim einen frischen Salat mit Thunfisch vor. Frisch gestärkt setzen wir unsere Wanderung durch die Dünenlandschaft fort und schlagen bereits wieder einen Bogen in Richtung unseres Ausgangsorts Mhamid.

Zuvor steht aber noch eine weitere Zeltübernachtung in der Wüste an und für den Abend hat sich unser Reiseführer Ibrahim ein ganz besonderes Highlight ausgedacht. Er bereitet ein im heißen Wüstensand unter der Feuerstelle frisch zubereitetes Brot zu. Dies ist überraschenderweise nach fachkundiger Behandlung durch Ibrahim auch fast sandfrei und so genießen wir einen weiteren Abend unter dem unendlich erscheinenden Sternenhimmel.

 

Tag 9

An diesem Morgen soll alles möglichst schnell gehen, da wir von Mhamid noch eine lange Fahrt nach Marrakesch vor uns haben. Daher stehen wir mit Anbruch des Tages auf, frühstücken kurz und schlagen so schnell als möglich unsere Zelte ab.  Wieder in Mhamid angekommen, muss trotz unserer Eile aber noch ein letzter Tee bei Mohamed getrunken werden. Was muss, das muss eben…

Dann starten wir zu unserer längsten und insgesamt auch anstrengensten Tagesetappe von der Wüste über die hohen Berge des Atlas nach Marrakesch. Kurz nach Mittag erreichen wir wieder Ouarzazate und nehmen das einige Tage zuvor ausgesprochene Mittagessens-Angebot von unserem Wüstentrekking-Vermittler gerne an. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Tageszeit nehmen wir das Essen nicht bei ihm zu Hause sondern direkt in seinem Laden ein. Es gibt von seiner Frau zubereitete Sardinen sowie Salat, Oliven und Brot. Als Dessert bekommen wir wie fast immer in diesen Tagen Clementinen und Äpfel gereicht.

Wir verabschieden uns nun endgültig von Hassan und fahren durch eine sehr reizvolle Landschaft in Richtung Atlas. Den Hohen Atlas überqueren wir am Tichka-Pass und ich persönlich bin etwas traurig, dass nicht noch etwas Zeit bleibt, den Schnee in einem der wenigen Skigebiete zu genießen. Wo sonst hat man die Möglichkeit aus der Wüste direkt in den Schnee zu gelangen…

Wir setzen unsere Fahrt allerdings nach einer kurzen Teepause in einem kleinen Café am Tichkapass fort. Schnell wird es dunkel und wir verstehen einmal mehr, warum man in Marokko für wenige Kilometer doch einiges an Zeit einrechnen muss. Die Abfahrt im Dunkeln über die kurvige Passstraße ähnelt einem Computerspiel. Aus der Dunkelheit tauchen für Tarik immer wieder Fußgänger, Hunde, Mofas oder sonstige bewegliche Hindernisse auf, die eine vorsichtige Fahrweise erfordern.

Aber schießlich und endlich erreichen wir sicher unser Ziel „Caro“ bei Marrakesch, wo uns Jean-Michel und seine Frau Saida mit Ihren Hunden und Katzen sehr herzlich empfangen.

Und bevor es dann zum Abendessen einen von Saida hervorragend zubereiteten Tajin gibt, genießen wir unsere erste Dusche seit drei Tagen…

Tag 10 und 11 wird von Tarik ergänzt, da ich leider keine Zeit zum Schreiben mehr gefunden habe und in nächster Zeit auch nicht mehr dazu komme. Ich hatte ihm den Reisebericht aber versprochen und ihn deshalb lieber nicht ganz fertig abgeliefert.

Tag 10

Erinnerungen von Tarik:

Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg nach Marrakesch gemacht. Es war sehr schönes sonniges Wetter. Wir sind durch die Souks geschlendert und haben die Medersa Ben Youssef und das Marrakesch-Museum besucht.

Auch ein Tee auf der Terrasse des Café de France darf natürlich nicht fehlen. Zum Mittagessen haben wir die typische marrakescher Spezialität Mechoui in einem kleinen Lokal. Dort gibt es ein Loch im Boden worin das ganze Schaf auf einem Spieß bei ganz kleiner Hitze lange Zeit gart. Es schmeckt fantastisch und ist super zart und saftig.

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 Nach dem Essen tat der Spaziergang zu den Saadier Gräbern und Bahia Palast richtig gut. Auch zurück zum Jemma al Fna sind wir die 20Min zu Fuß gegangen. Dort haben wir uns in ein Tuk-Tuk gesetzt und uns zum Jardin Majorelle fahren lassen.

Die Abendstimmung in Marrakesch durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen, denn mit einsetzender Dunkelheit ändert sich die Atmosphäre auf dem Jemma al Fna.

Den Abend haben wir gemeinsam mit Jean-Michel, Saida und 3 weiteren Gästen gemütlich am Kaminfeuer gebracht. Einer der Gäste war ein französischer Chansannier und hat uns mit seiner Gitarre und seinem Gesang unterhalten.

Tag 11

Essaouira

Die anderen Gäste der Domain Caro haben ihre Skier ins Auto gepackt und sind nach Oukaimden in den Hohen Atlas zum Skilaufen gefahren.

Uns hat es an den Atlantik gezogen und sind nach Essaouira gefahren. Hier haben wir einen wunderschönen Tag verbracht mit nochmal wieder ganz neuen Eindrücken. Dany hat sogar Arganhonig in einer Cooperative probiert obwohl sie Honig gar nicht mag.

In Sidi Kaouki durfte die Quad Tour am Strand nicht fehlen. Es war ein schöner warmer Tag und Martin hätte sogar gebadet, wenn er denn eine Badehose im Gepäck gehabt hätte.